Wer ein Unternehmen führt, spürt Politik früher als in jeder Umfrage. Sie kommt als Frist, als Förderprogramm, als Steuerbescheid oder als Gesetz, auf das man zwei Jahre wartet. Deshalb schreibe ich darüber, aus der Sicht von jemandem, der seit über 20 Jahren in diesem Land Unternehmen aufbaut und jeden Tag sieht, wie Entscheidungen aus Berlin im Betrieb ankommen.
Warum Mehrheiten schwerer werden
Demokratie heißt für mich, für die eigenen Vorschläge Mehrheiten zu gewinnen. Genau das ist schwerer geworden. Union und SPD kamen bei der Bundestagswahl 1998 zusammen auf 76,1 Prozent der Zweitstimmen, 2025 auf 44,9 Prozent. Eine Mehrheit im Bundestag haben sie mit 328 von 630 Sitzen trotzdem, weil Parteien unter fünf Prozent keine Sitze erhalten. AfD und Die Linke kamen 2025 zusammen auf 29,6 Prozent, 1998 waren es 5,1 Prozent.
Für Unternehmen heißt das: Regierungsbildungen dauern länger, Koalitionen brauchen mehr Partner, und jeder Kompromiss braucht mehr Zeit, bis er im Gesetzblatt steht. Wie das nach Artikel 63 Grundgesetz abläuft und was ein Betrieb in dieser Zeit spürt, steht im Beitrag zur Regierungsbildung. Warum sich viele Menschen von der Mitte im Stich gelassen fühlen und was die Mitte jetzt liefern muss, beschreibe ich in Unzufriedenheit mit der Politik. Verständnis ist dabei keine Zustimmung: Wer erklärt, warum sich Menschen abwenden, heißt nicht gut, wohin sie gehen.
Wie Meinung heute entsteht
Ein wachsender Teil der Nachrichten erreicht Menschen über soziale Medien. 44 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Deutschland nennen sie 2026 ihre wichtigste Nachrichtenquelle, so der Reuters Institute Digital News Report, den das Hans-Bredow-Institut für Deutschland auswertet. Was sie dort sehen, sortiert eine Software nach Verweildauer. Was die Forschung über Algorithmen und Radikalisierung tatsächlich zeigt und was ich daraus als Unternehmer mache, steht im Beitrag zu Social-Media-Algorithmen.
Wer für Unternehmer spricht
Interessenvertretung lässt sich nachlesen. Das Lobbyregister des Bundestags zeigt, was Wirtschaftsverbände für ihre Arbeit in Berlin ausgeben, und es zeigt auch, wer dort fehlt: BDA und DIHK stehen nicht darin. Über die Arbeitgeberverbände sind nach Angaben der BDA rund eine Million Unternehmen verbunden, mehr als drei Millionen Unternehmen sind Pflichtmitglied einer Industrie- und Handelskammer oder einer Handwerkskammer. Wer für Solo-Selbstständige und Freiberufler spricht, ist deutlich weniger klar. Die Auswertung steht im Beitrag zum Lobbyregister.
Was mich dabei leitet
Mich leitet eine einfache Frage: Was braucht eine Mitte, die wieder Mehrheiten gewinnt? Einen Staat, der handlungsfähig wirkt, Entscheidungen, die man nachvollziehen kann, und Belastungen, die als gerecht empfunden werden. Die Beiträge unten sind die lange Fassung.
Häufige Fragen
Warum schreibt ein Unternehmer über Politik?
Weil politische Entscheidungen direkt im Betrieb ankommen: als Frist, als Förderprogramm, als Steuer oder als Gesetz, das auf sich warten lässt. Wer versteht, wie Mehrheiten entstehen, plant besser und erkennt früher, was auf ihn zukommt.
Was bedeutet eine lange Regierungsbildung für Unternehmen?
Bis der neue Haushalt beschlossen ist, gilt die vorläufige Haushaltsführung nach Artikel 111 Grundgesetz. Bereits bewilligte Förderungen werden weiter ausgezahlt, neue Programme starten meist erst mit dem beschlossenen Haushalt.
Warum dauert die Regierungsbildung heute länger?
Weil Union und SPD zusammen keine Mehrheit der Zweitstimmen mehr haben: 2025 kamen sie auf 44,9 Prozent, 1998 auf 76,1 Prozent. Koalitionen brauchen deshalb mehr Partner, und jeder Partner bringt eigene Zusagen an den Verhandlungstisch.
Welche Haltung steht hinter den Beiträgen?
Eine handlungsfähige Mitte, die für ihre Vorschläge Mehrheiten gewinnt: mit einem Staat, der Entscheidungen nachvollziehbar macht, und Belastungen, die als gerecht empfunden werden.