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MediaMarkt und JD.com: Was China in Deutschland besitzt

MediaMarkt und JD.com: Was China in Deutschland besitzt

Die EU-Kommission hat am 3. November 2026 die Übernahme von Ceconomy, der Mutter von MediaMarkt und Saturn, durch den chinesischen Onlinekonzern JD.com genehmigt, unter Auflagen. Zehn Jahre lang muss JD.com seine Geschäfte mit Ceconomy zu Marktbedingungen abwickeln und Lager, Logistik und Technik auch anderen Händlern zu denselben Konditionen anbieten, ein unabhängiger Treuhänder überwacht das. JD.com kommt mit dem Vollzug auf 59,8 Prozent, gemeinsam mit der Gründerfamilie Kellerhals auf 85,2 Prozent. Für mich ist das mehr als eine Handelsmeldung. Der Fall zeigt, was China in Deutschland schon besitzt, welche Staatskonzerne dahinterstehen und wo wir überhaupt noch mitreden können. Und er führt zu einer Frage, auf die ich seit der Regierungspressekonferenz vom September 2025 keine öffentliche Antwort gefunden habe: Hält Digitalminister Karsten Wildberger, bis Mai 2025 Chef von Ceconomy, noch Aktien seines alten Unternehmens?

Stand: 5. November 2026. Den Vollzug der Übernahme haben JD.com und Ceconomy für die kommenden Tage angekündigt, ich ziehe den Text dann nach.

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MediaMarkt und JD.com: Das Wichtigste in Kürze

  • 3. November 2026: Die EU-Kommission genehmigt die Übernahme im Verfahren FS.100253 unter Auflagen, die zehn Jahre gelten. Sie sieht Vorzugsfinanzierungen, Steuervergünstigungen und Zuschüsse aus China.
  • 4,60 Euro je Aktie: Das Angebot bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro. Der Konzern setzte 2024/25 rund 23,1 Milliarden Euro um, 2025/26 nach vorläufigen Zahlen 24,0 Milliarden, und beschäftigt rund 50.000 Menschen.
  • 1,59 Millionen Euro: So viel hat Karsten Wildberger laut sechs Pflichtmeldungen von 2021 bis 2024 in rund 623.300 Ceconomy-Aktien investiert. Ob er sie heute noch hält, ist nicht öffentlich bekannt.
  • 7,03 Millionen Euro: Mit diesem Zeitwert führt Ceconomy zum 30. September 2025 seine vier offenen Erfolgsprämien. Das ist ein Bilanzwert, keine Auszahlung, und er hängt zu mindestens 70 Prozent an der Aktienrendite.
  • 264 Firmen, 55 Milliarden Euro Umsatz: Das sind die Unternehmen in Deutschland mit chinesischem Eigentümer, 3 Prozent aller Firmen in ausländischem Besitz. US-Eigner kommen auf 333 Milliarden Euro.
  • 170,6 Milliarden Euro: So viel Ware hat Deutschland 2025 aus China importiert. Der größere Hebel liegt in der Lieferkette, weniger im Eigentum.

Wem gehört MediaMarkt jetzt? Die Eigentümer von Ceconomy

MediaMarkt und Saturn gehören zur Ceconomy AG in Düsseldorf, und Ceconomy gehört künftig mehrheitlich JD.com. Der Konzern kommt über die Jingdong Holding Germany GmbH mit dem Vollzug auf 59,8 Prozent der Aktien. Die Convergenta Invest der Familie Kellerhals, die MediaMarkt einst mitgegründet hat, behält 25,35 Prozent und bindet sich per Aktionärsvereinbarung an JD.com. Zusammen sind das 85,2 Prozent. Verkauft haben unter anderem Haniel, Beisheim und Freenet, die mit Convergenta vorab verbindlich für 31,7 Prozent zugesagt hatten.

DatumSchritt
Dezember 2023Ein Einstieg von JD.com wird öffentlich diskutiert, Ceconomy-Chef ist Karsten Wildberger.
5. Mai 2025Wildberger scheidet aus dem Vorstand aus, am 6. Mai wird er Digitalminister.
30. Juli 2025JD.com kündigt das Angebot über 4,60 Euro je Aktie an.
11. September 2025Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen die Annahme.
18. September 2025Das Bundeskartellamt gibt den Weg frei.
27. März 2026Ceconomy meldet: Österreich zweifelt an der Genehmigungsfähigkeit.
28. Mai 2026Die EU-Kommission eröffnet die vertiefte Subventionsprüfung.
29. Juni 2026Das Bundeswirtschaftsministerium genehmigt unter Auflagen zum Datenschutz.
Juli und August 2026Brüssel schickt seine formellen Beschwerdepunkte, Peking untersagt die Unterstützung bestimmter EU-Auskunftsersuchen.
Oktober 2026Österreich genehmigt mit Auflagen zu Daten, Lieferketten und Personal.
3. November 2026Die EU-Kommission genehmigt unter Auflagen, alle Angebotsbedingungen sind erfüllt.

JD.com verspricht viel: drei Jahre keinen Beherrschungsvertrag, und ebenfalls drei Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen oder Standortschließungen, dazu keine wesentlichen Änderungen an der Markenarchitektur. Gleichzeitig strebt der Konzern den Rückzug von der Börse an. Damit verschwindet genau die Öffentlichkeit, die eine Pflichtmeldung, ein Geschäftsbericht und eine Hauptversammlung bisher hergestellt haben. Das sollte man mitdenken, wenn man über Kontrolle spricht.

Was die EU-Kommission JD.com bei MediaMarkt auferlegt

Die Kommission hat die Übernahme nicht verboten, sie hat ihr einen zehnjährigen Rahmen gesetzt. Ihr Befund: JD.com erhielt aus China Vorzugsfinanzierungen, Steuervergünstigungen und Zuschüsse, die den Binnenmarkt verzerren können, etwa über Finanzierungskraft, aggressive Preise und subventionierte Logistik. JD.com hat bestritten, dass das Geschäft mit Staatsgeld finanziert wurde. Im Markttest reagierten Wettbewerber laut Reuters negativ, danach wurden die Zusagen verstärkt.

Damit liegen drei Schutzschichten übereinander, aus drei Hauptstädten:

WerWas giltWer kontrolliert
EU-Kommission, 3. November 2026Konzerninterne Geschäfte und Finanzierung zu Marktbedingungen. Logistik, Lager und Technik für Dritte zu denselben Bedingungen wie für Ceconomy. Laufzeit zehn Jahre.Unabhängiger Treuhänder unter Aufsicht der Kommission
Bundeswirtschaftsministerium, 29. Juni 2026Schutz personenbezogener Kundendaten in Deutschland. Die Genehmigung ist bei Verstößen widerrufbar.Bundesregierung mit weitreichenden Kontrollrechten
Österreichisches Wirtschaftsministerium, Oktober 2026Auflagen zu Daten, Lieferketten und sicherheitsrelevanten Personalentscheidungen.Ministerium, Einzelheiten nicht öffentlich

Ich finde das stärker als seinen Ruf. In Wien wurde der erste Antrag im April zurückgezogen und JD.com stellte im Juli einen neuen, Brüssel hat Nachbesserungen bekommen, Berlin behält sich den Widerruf vor. Mir fehlt aber eines: Der Wortlaut der deutschen Auflagen ist nicht öffentlich. Das Wirtschaftsministerium äußert sich grundsätzlich nicht zu Einzelverfahren und verweist auf Geschäftsgeheimnisse. Millionen Kundinnen und Kunden erfahren also nicht, was genau mit ihren Daten vereinbart wurde.

Wie ernst Peking das nimmt, zeigt der August 2026: Chinas Justiz- und Handelsministerium wiesen inländische Stellen an, die EU-Untersuchung nicht zu unterstützen, und Peking kündigte eine entschlossene Reaktion an. Ein Onlinehändler kauft einen Elektronikmarkt, und zwei Ministerien in Peking greifen in das Verfahren ein. Wer danach noch sagt, das sei nur Wirtschaft, hat den Vorgang nicht gelesen. Einordnung zum Standort gibt mein Beitrag zum Invest in Germany Summit.

Hält Karsten Wildberger noch Ceconomy-Aktien?

Das ist öffentlich nicht beantwortet. Belegt ist, dass der heutige Digitalminister als Ceconomy-Chef sechs Mal eigene Aktien gekauft hat, belegt ist auch, dass sein früherer Arbeitgeber ihm offene Erfolgsprämien in Millionenhöhe zuordnet. Offen ist, was davon heute noch besteht. Einen Beleg für unzulässiges Verhalten gibt es nicht, und ich unterstelle auch keines. Aber die Frage ist berechtigt, und ein Satz würde sie klären.

Sechs Pflichtmeldungen, 1,59 Millionen Euro

Vorstände börsennotierter Unternehmen müssen eigene Aktiengeschäfte melden. Zählt man Wildbergers Meldungen zusammen, was ich in dieser Form bisher nirgends gefunden habe, ergibt sich dieses Bild:

KaufdatumDurchschnittskursVolumenAktien (rechnerisch)
15.12.20213,5027 Euro301.229 Eurorund 86.000
08.09.20232,2270 Euro302.873 Eurorund 136.000
04.01.20242,3189 Euro151.423 Eurorund 65.300
13.02.20242,0886 Euro139.936 Eurorund 67.000
15.08.20242,5429 Euro343.298 Eurorund 135.000
19.12.20242,6491 Euro354.981 Eurorund 134.000
Summe2,56 Euro im Schnitt1.593.741 Eurorund 623.300
Balkendiagramm der sechs gemeldeten Aktienkäufe von Karsten Wildberger bei Ceconomy: Dezember 2021 301 Tausend Euro, September 2023 303, Januar 2024 151, Februar 2024 140, August 2024 343, Dezember 2024 355 Tausend Euro
Sechs gemeldete Käufe, zusammen 1,59 Millionen Euro. Quelle: Pflichtmeldungen der Ceconomy AG.

Das sieht auf den ersten Blick nach einer großen Wette aus, die Einordnung ist nüchterner. Ceconomy legt seinen Vorständen über ein Aktienhalteprogramm die Obliegenheit auf, innerhalb von vier Jahren Aktien zu kaufen, beim Vorsitzenden für 150 Prozent des Grundgehalts. Bei 1,45 Millionen Euro Grundgehalt sind das rechnerisch knapp 2,2 Millionen Euro, die gemeldeten Käufe erreichen davon 73 Prozent, die Aufbauphase wäre im Juli 2025 ausgelaufen. Die Käufe passen also zu dieser Vorgabe, denn laut Bericht setzt die Auszahlung der langfristigen Prämie die nachgewiesene Beteiligung voraus. Mit dem Ende der Vorstandstätigkeit endet die Obliegenheit.

Genau dort beginnt die Unklarheit. Hätte Wildberger alle gemeldeten Aktien behalten und zu 4,60 Euro angedient, wären sie rund 2,87 Millionen Euro wert, rund 1,27 Millionen Euro mehr als der Kaufpreis. Ob es so war, weiß niemand außer ihm: Eine Verkaufsmeldung habe ich bis zu seinem Ausscheiden nicht gefunden, und danach besteht keine Meldepflicht mehr. Hinweise auf Beteiligungen von Angehörigen enthalten die Meldungen nicht, und ich sehe keinen Anlass, darüber zu spekulieren.

7,03 Millionen Euro offene Erfolgsprämien

Weniger bekannt als die Aktien sind die langfristigen Prämien, im Fachjargon Long-Term Incentive. Der Vergütungsbericht 2024/25 nennt für Wildberger folgende Zeitwerte nach IFRS, also eine Schätzung fürs Rechnungswesen:

TrancheZeitwert 30.09.2024Zeitwert 30.09.2025
2021/22675.000 Euro1.299.000 Euro
2022/231.854.000 Euro2.144.000 Euro
2023/241.724.000 Euro2.255.000 Euro
2024/25 (anteilig)noch nicht gewährt1.332.000 Euro
Summe4.253.000 Euro7.030.000 Euro

Die Summe für 2024 lässt die inzwischen ausgezahlte Tranche 2020/21 weg, mit ihr nennt der Bericht 4.299.000 Euro. Drei Dinge sind wichtig. Erstens: Mindestens 70 Prozent dieser Prämie hängen an der absoluten und relativen Aktienrendite, bei der Tranche 2021/22 sogar 80 Prozent. Ceconomy schreibt selbst, das Übernahmeangebot habe den Kurs in erheblichem Umfang beeinflusst. Die drei schon vorher laufenden Tranchen stiegen binnen eines Jahres um rund 34 Prozent, wobei auch Zeitablauf und Geschäftsverlauf eine Rolle spielen.

Zweitens: Nach dem Vergütungssystem werden noch nicht ausgezahlte Ansprüche bei vorzeitigem Vertragsende anteilig und zur ursprünglichen Fälligkeit gezahlt, der Leistungszeitraum beträgt vier Jahre. Die Tranche 2020/21 wurde im Geschäftsjahr 2024/25 ausgezahlt. Nach diesem Muster wäre die Tranche 2021/22 im Geschäftsjahr 2025/26 fällig geworden, die letzte folgt 2028/29. Der Jahresbonus 2024/25 über 533.000 Euro war laut Bericht für Januar 2026 vorgesehen, da war Wildberger längst Minister. Dazu kommt, wie bei Vorständen üblich, eine Pensionszusage mit einem Barwert von 904.000 Euro.

Drittens: Für die späteren Tranchen hieße das, ein amtierender Minister erhielte Zahlungen von einem Unternehmen, das JD.com kontrolliert, sofern die Ansprüche nicht längst anders geregelt sind. Der Aufsichtsrat hat im Mai 2025 eine Aufhebungsvereinbarung beschlossen, ihr Inhalt ist nicht öffentlich. Eine Abfindung weist die Vergütungstabelle für 2024/25 nicht aus.

Was die Bundesregierung dazu sagt

Das Thema ist nicht neu. In der Regierungspressekonferenz vom 5. September 2025 wurde genau gefragt, ob Wildberger noch Anteile oder Aktien hält und ob er an einer möglichen Kabinettsentscheidung zur Untersagung mitwirken würde. Der Sprecher seines Ministeriums verwies darauf, dass die Investitionsprüfung beim Wirtschaftsministerium liegt, und sagte, der Minister nehme wie üblich am Kabinett teil und erfülle alle gesetzlichen Vorgaben, insbesondere das Ministergesetz. Die Aktienfrage blieb damit unbeantwortet. Die Nachfrage, ob der Kanzler einen Interessenkonflikt sehe, nannte der stellvertretende Regierungssprecher einen theoretischen Fall. Im Tagesspiegel-Interview vom August 2025, kurz nach dem Angebot von JD.com, sagte Wildberger mit Blick auf sein altes Unternehmen: „Auf dieses Amt bin ich voll fokussiert.“ Eine parlamentarische Anfrage von Julian Joswig (Grüne) zu Interessenkonflikten drehte sich laut taz um den Eintrag im Lobbyregister, nicht um Aktien.

Fair ist auch: Zuständig war das Wirtschaftsministerium, und vor das Kabinett hätte der Fall nur bei einer Untersagung gemusst. Dazu kam es nicht. Einen Beleg, dass Wildberger an dem Verfahren mitgewirkt hat, gibt es nicht.

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung und Ceconomy haben meine Fragen vom 4. November bis zum Redaktionsschluss am 5. November, 12 Uhr, nicht beantwortet.

Warum das Ministergesetz hier nicht hilft

Das Gesetz verbietet Ministern ein anderes besoldetes Amt, ein Gewerbe, einen Beruf und Vorstands- oder Aufsichtsratsposten. § 5 Bundesministergesetz kennt aber keine Pflicht, Aktien zu verkaufen oder offenzulegen, nur Geschenke müssen gemeldet werden. „Alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt“ ist deshalb wahr und sagt trotzdem wenig. LobbyControl hatte schon im April 2025 angeregt, etwaige Anteile freiwillig zu verkaufen.

Brüssel ist weiter: EU-Kommissare müssen Beteiligungen ab 10.000 Euro offenlegen, dazu Interessen von Ehepartnern und minderjährigen Kindern, wenn daraus ein Konflikt entstehen kann. Genau dieser Standard fehlt in Berlin. Ich schätze es, wenn Menschen aus der Wirtschaft in die Politik gehen, darüber habe ich hier geschrieben. Gerade deshalb sollte es für sie eine klare Regel geben, die sie schützt.

Welche deutschen Firmen China gehören: die Liste mit Staatskonzernen

Die Antwort in einem Satz: Chinesische Eigentümer sitzen vor allem in Maschinenbau und Autozulieferung, die staatlichen unter ihnen auch in Müllverbrennung, Offshore-Wind und im Hafen. Das Informationsnetzwerk DDW zählt 264 solcher Unternehmen, 77 Prozent davon Industrie. Eine vollständige öffentliche Liste gibt es nicht, die Daten sind kostenpflichtig. Diese Beispiele lassen sich einzeln belegen:

Deutschlandkarte mit chinesischen Beteiligungen: Hamburg COSCO und Nexperia, Bremerhaven Meerwind, Helmstedt EEW, Göttingen Gotion, Düsseldorf Ceconomy, Arnstadt CATL, Frankfurt Kion, Nürnberg Leoni, Ursensollen Grammer, Stuttgart Mercedes-Benz, Aichtal Putzmeister, Augsburg KUKA. Staatliche Eigner sind rot markiert.
Rot: staatlich kontrollierter Eigner. Hell: privater oder börsennotierter Eigner. Auswahl, Stand November 2026.
Firma, SitzEigner aus ChinaAnteilStaatlich?
KUKA, Augsburg (Roboter)Midea100 %nein
EEW Energy from Waste, HelmstedtBeijing Enterprises100 %ja, Stadt Peking
Putzmeister, Aichtal (Betonpumpen)Sany100 %nein
Grammer, Ursensollen (Autositze)Ningbo Jifeng86,20 %nein
Meerwind Süd|Ost, Nordsee (288 MW)China Three Gorges80 % (Kauf 2016)ja, Zentralstaat
Ceconomy, Düsseldorf (MediaMarkt, Saturn)JD.com59,8 % nach Vollzugnein, laut EU aber subventioniert
Leoni, Nürnberg (Kabel)Luxshare50,1 %nein
Kion, Frankfurt (Linde-Stapler)Weichai Power46,5 %ja, Provinz Shandong
Terminal Tollerort, HamburgCOSCO Shipping Ports24,99 %ja, Zentralstaat
Mercedes-Benz, StuttgartBAIC9,98 %ja, Stadt Peking
Mercedes-Benz, StuttgartLi Shufu (Geely)9,69 %nein
Balkendiagramm chinesischer Anteile an deutschen Firmen: KUKA, EEW und Putzmeister 100 Prozent, Grammer 86,20, Meerwind 80, Ceconomy 59,8, Leoni 50,1, Kion 46,5, Tollerort 24,99, Mercedes-Benz über BAIC 9,98 und Li Shufu 9,69 Prozent
Anteile chinesischer Eigner an deutschen Firmen, Auswahl. Quellen: Unternehmensangaben und Fachpresse, siehe Tabelle.

Dazu kommen in der DDW-Rangliste etwa Preh (Joyson), SEG Automotive (Zhengzhou Coal Mining Machinery), Medion (Lenovo) und Baosteel Europe. Die Tabelle zeigt, was in der Debatte gern untergeht: Nicht jeder chinesische Käufer ist ein Staatskonzern. KUKA, Grammer und Leoni gingen an Privatunternehmen, JD.com ist börsennotiert. Das sagt freilich wenig darüber, wie viel Abstand ein chinesisches Unternehmen zum Staat im Ernstfall halten kann, wie der August 2026 gezeigt hat.

Hamburger Hafen, Müll, Wind: China in der deutschen Infrastruktur

Der bekannteste Fall ist der Hamburger Hafen. COSCO wollte 35 Prozent am Terminal Tollerort, die Bundesregierung ließ nach einer Teiluntersagung nur knapp 25 Prozent zu, die Kontrolle blieb bei der HHLA. Das Beispiel zeigt, dass der Staat bremsen kann, wenn er will.

Weniger bekannt ist EEW. Der Müllverbrenner aus Helmstedt gehört seit 2016 der staatlichen Beijing Enterprises, Kaufpreis rund 1,44 Milliarden Euro. EEW betreibt 17 Anlagen in Deutschland und den Nachbarländern und verwertet auch Klärschlamm: Die Anlage in Stavenhagen läuft seit März 2025 im Regelbetrieb und kann bis zu 160.000 Tonnen im Jahr verarbeiten, nach Unternehmensangaben genug für ganz Mecklenburg-Vorpommern. In der Nordsee übernahm China Three Gorges 2016 die Mehrheit am Windpark Meerwind.

Besitzt China deutsche Kanalisation und Parkplätze?

Das liest und hört man oft. Belegen lässt es sich nicht. Das öffentliche Kanalnetz ist rund 600.000 Kilometer lang, und die Abwasserbeseitigung ist nach § 56 Wasserhaushaltsgesetz Aufgabe juristischer Personen des öffentlichen Rechts. Einen chinesischen Eigentümer eines deutschen Kanalnetzes habe ich nicht gefunden. Am nächsten kommt dem Thema der Klärschlamm bei EEW, und das ist Verwertung, nicht das Netz. Auch große Parkhausbetreiber haben andere Eigner: Apcoa ging an einen US-Investor, Contipark gehört zur belgischen Interparking. Es lohnt sich, das sauber zu trennen, denn wer Falsches behauptet, macht die echten Fälle unglaubwürdig.

CATL, Gotion und Nexperia: China bei Batterien und Chips

Bei Batterien läuft es anders, als viele vermuten: CATL wurde nicht übernommen, und CATL hat auch nichts übernommen. Der weltgrößte Batteriehersteller hat in Arnstadt bei Erfurt neu gebaut, rund 1,8 Milliarden Euro stehen im Plan, Zellfertigung seit Ende 2022, zuletzt rund 1.700 Beschäftigte. Gotion hat dagegen ein Bosch-Werk in Göttingen gekauft und baut dort seit September 2023 Batteriepacks. Die Beteiligung läuft dabei auch umgekehrt: Volkswagen hält an Gotion nach einer Übertragung im September 2026 noch 18,98 Prozent.

Für die Politik ist der Unterschied entscheidend. Ein Neubau fällt nicht unter die Investitionsprüfung, auch nach dem Referentenentwurf vom 22. Oktober 2026 bleibt das so. Und Neubauten sind der Trend: Laut Rhodium und Merics flossen 2025 in Europa 8,9 Milliarden Euro in chinesische Neubauten, ein Rekord, und 7,9 Milliarden in Übernahmen.

Wie empfindlich das Ganze ist, zeigt Nexperia. Das Werk in Hamburg lieferte Wafer, die Weiterverarbeitung lag im chinesischen Dongguan, der Eigentümer heißt Wingtech. Als die Niederlande im Herbst 2025 eingriffen und ein Gericht den Wingtech-Gründer als Chef suspendierte, riss diese Kette, geriet die Autoindustrie weltweit in Unruhe, um einfache Bauteile. Der Streit läuft weiter, Wingtech klagt auf Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Wie groß Chinas Einfluss in Deutschland in Zahlen ist

Gemessen am Eigentum ist China in Deutschland klein. Der Bestand chinesischer Direktinvestitionen samt Hongkong lag 2023 bei rund 11 Milliarden Euro, der amerikanische bei 164 Milliarden. Die Bundesbank kommt nach Konzernspitze auf rund 9 Milliarden Euro aus China, gegenüber rund 179 Milliarden aus den USA. Umgekehrt halten deutsche Firmen weit mehr in China: Bei einem Auslandsbestand von 1.689 Milliarden Euro und einem China-Anteil von 6,5 Prozent sind das rechnerisch etwa 110 Milliarden Euro.

Balkendiagramm der chinesischen Direktinvestitionen in Europa 2025 in Milliarden Euro: Ungarn 3,9, Deutschland 2,5, Frankreich 1,9, Spanien 1,5, Schweden 1,4, Zypern 1,1
Deutschland ist 2025 das zweitwichtigste Ziel. Quelle: Rhodium Group und Merics, Mai 2026.

Die Richtung ist aber klar. 2025 stiegen die chinesischen Investitionen in EU und Großbritannien um 67 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro, den höchsten Stand seit 2018. Auf Deutschland entfielen 2,5 Milliarden Euro. Bei Übernahmen durch chinesische Käufer nennt Germany Trade & Invest nach EY-Zahlen für 2025 rund 5 Milliarden US-Dollar in Deutschland, ein Plus von 195 Prozent, davon 2,5 Milliarden für Ceconomy.

Die eigentliche Macht zeigt der Außenhandel. China war 2025 mit 251,8 Milliarden Euro wieder wichtigster Handelspartner, wir kauften dort für 170,6 Milliarden Euro ein und verkauften für 81,3 Milliarden. Fast jedes zweite Industrieunternehmen bezieht laut dem Monatsbericht Januar 2024 einer Bundesbank-Umfrage kritische Vorprodukte direkt oder indirekt aus China, mehr als 80 Prozent davon halten einen Ersatz zumindest für schwierig. Bei Seltenen Erden lag Chinas Anteil an den Importen 2025 laut Statistischem Bundesamt bei 55,4 Prozent. In die EU kamen 2025 sogar 97,3 Prozent der importierten Lanthanverbindungen aus China.

Haben wir gegenüber China überhaupt noch etwas zu sagen?

Ja, aber an anderer Stelle, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Wer behauptet, China kaufe Deutschland auf, liegt nach den Zahlen falsch. Wer sagt, das sei alles harmlos, liegt genauso falsch. Chinesische Eigner sitzen nicht in der Breite, sondern an sehr präzisen Punkten: Roboter, Lagertechnik, Autozulieferung, Müll, Hafen, Chips, und jetzt die Kundendaten des größten Elektronikhändlers Europas.

Mitreden können wir beim Eigentum, das zeigen Hamburg, Wien und Brüssel. Wenig zu sagen haben wir bei drei Dingen: wer verkauft, denn Haniel, Beisheim und Freenet haben freiwillig verkauft, das Angebot lag 43 Prozent über dem Dreimonatsschnitt. Wer neu baut, denn Neubauten werden nicht geprüft. Und wer liefert, denn Vorprodukte lassen sich nicht per Bescheid ersetzen. Die Unabhängigkeit, von der wir so gern reden, entscheidet sich also an der Lieferkette, und dort kommen wir am langsamsten voran.

Für Unternehmer steckt darin auch Konkretes. Wer online handelt, sollte sich die EU-Zusage ansehen: JD.com muss Logistik und Technik Dritten zu denselben Bedingungen anbieten wie Ceconomy, das kann für den deutschen Onlinehandel eine Chance sein. Und wer als Mittelständler über Nachfolge nachdenkt, sollte wissen, dass viele dieser Verkäufe genau daran hingen. Wer dafür einen Partner aus Europa sucht, findet bei Weidner Ventures einen Gesprächspartner.

Was Deutschland nach dem MediaMarkt-Fall tun sollte

  1. Minister legen Beteiligungen offen. Der EU-Standard ab 10.000 Euro sollte auch im Bundeskabinett gelten, samt Regel für Altverträge und Prämien aus früheren Vorstandsämtern.
  2. Auflagen werden öffentlich zusammengefasst. Wer Kundendaten betrifft, braucht eine lesbare Fassung, und der Treuhänder berichtet jährlich, was er geprüft hat.
  3. Die Regierung führt eine öffentliche Liste aller staatlich kontrollierten ausländischen Eigner in kritischen Sektoren. Dass man so etwas heute kaufen muss, ist schwer erklärbar.
  4. Neubauten in Schlüsseltechnik werden meldepflichtig. Der Entwurf des Investitionsprüfungsgesetzes lässt das aus, die Stellungnahmefrist läuft bis 12. November 2026. Die EU-Mindeststandards gelten erst ab 17. Januar 2028.
  5. Bei Vorprodukten zählt Tempo. Zweite Lieferanten, eigene Recyclingmengen und Lager für Seltene Erden bringen mehr als jede Debatte über einen Elektronikmarkt.

Wie Wirtschaft und Politik in Deutschland aufeinandertreffen, begleitet mich weiter, mehr dazu in Politik und Gesellschaft und zum Lobbyregister.

Häufige Fragen zu MediaMarkt, JD.com und China in Deutschland

Ist MediaMarkt jetzt chinesisch?

Mehrheitlich ja, sobald die Übernahme vollzogen ist. JD.com aus Peking kommt dann auf 59,8 Prozent an der Muttergesellschaft Ceconomy, die deutsche Familie Kellerhals behält 25,35 Prozent. Am Markenauftritt von MediaMarkt und Saturn soll sich nach den Zusagen von JD.com nichts Wesentliches ändern, die operative Führung bleibt beim Vorstand.

Was ändert sich für Kunden von MediaMarkt und Saturn?

Kurzfristig wenig. Ceconomy verspricht mehr Auswahl und kürzere Lieferzeiten. Die Bundesregierung hat die Übernahme an den Schutz personenbezogener Kundendaten in Deutschland geknüpft und kann die Genehmigung bei Verstößen widerrufen. Der genaue Wortlaut der Auflagen ist nicht öffentlich.

Hat Digitalminister Wildberger noch Aktien von Ceconomy?

Das ist öffentlich nicht bekannt. Er hat als Vorstandschef laut Pflichtmeldungen von 2021 bis 2024 Aktien für rund 1,59 Millionen Euro gekauft, was zum Aktienhalteprogramm des Konzerns passt. Seit seinem Ausscheiden im Mai 2025 besteht keine Meldepflicht mehr. Auf die Frage in der Regierungspressekonferenz vom 5. September 2025 antwortete sein Ministerium nicht direkt.

Welche deutschen Firmen gehören chinesischen Staatskonzernen?

Zu den bekanntesten zählen EEW (Beijing Enterprises, 100 Prozent), der Windpark Meerwind (China Three Gorges, 80 Prozent), Kion (Weichai Power, 46,5 Prozent) und ein Teil des Hamburger Terminals Tollerort (COSCO, 24,99 Prozent). BAIC hält 9,98 Prozent an Mercedes-Benz.

Wurde CATL in Deutschland übernommen?

Nein. CATL ist ein chinesischer Konzern und hat in Arnstadt in Thüringen ein eigenes Werk neu gebaut. Es war sein erstes Zellwerk außerhalb Chinas. Gotion dagegen hat in Göttingen ein früheres Bosch-Werk gekauft.

Wie viel von Deutschland gehört China?

Gemessen an den Direktinvestitionen wenig: rund 11 Milliarden Euro samt Hongkong im Jahr 2023 gegenüber 164 Milliarden Euro aus den USA. Das sind 264 Firmen mit rund 55 Milliarden Euro Umsatz. Größer ist die Abhängigkeit im Handel, Deutschland importierte 2025 Waren für 170,6 Milliarden Euro aus China.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

Aus unserem Ökosystem: Weidner & Friends. Unser Team in Berlin-Mitte unterstützt Unternehmen bei Strategie, Wachstum und Umsetzung. Zur Website →

Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.

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