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Polen-Rundreise: Fünf Städte und die Frage der Reparationen

Polen-Rundreise: Fünf Städte und die Frage der Reparationen

Elf Tage, ein Auto, fünf Städte: Was als Geburtstagsreise für meine Frau an die polnische Ostsee begann, wurde eine Rundreise von Mielno über Danzig, Toruń und Bydgoszcz bis nach Posen, 569 Kilometer zwischen den Stationen. Polen hat uns mit guten Straßen, sauberen Städten, herzlichem Service und Preisen deutlich unter dem deutschen Niveau überrascht, und mit einer Selbstverständlichkeit, mit der Familien mit Baby dort mitgedacht werden. Unterwegs hat uns eine Frage begleitet, die in den Nachrichten immer wieder auftaucht: Warum fordert Polen Reparationen von Deutschland? Die kurze Antwort: Polen beziffert die Schäden der deutschen Besatzung von 1939 bis 1945 seit 2022 auf 6,22 Billionen Złoty, nach damaligem Kurs rund 1,3 Billionen Euro. Die Bundesregierung hält die Frage seit Polens Verzicht von 1953 und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 für abgeschlossen. Offen ist dagegen eine Geste für die bis zu 50.000 noch lebenden polnischen Opfer: Warschau hält 10.000 Złoty im Jahr pro Person für angemessen, im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 steht dafür bisher kein Geld.

Stand der politischen Angaben: 28. Oktober 2026.

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Polen-Rundreise und Reparationen: Das Wichtigste in Kürze

  • 569 Kilometer: Mielno, Danzig, Toruń, Bydgoszcz und Posen, reine Fahrzeit knapp sieben Stunden.
  • Rund ein Viertel: So viel günstiger als in Deutschland sind Restaurants und Hotels in Polen nach dem Preisniveau von Eurostat für 2025.
  • 1473: In Toruń wird Nikolaus Kopernikus geboren, seit 1997 ist die mittelalterliche Altstadt UNESCO-Welterbe.
  • 23. August 1953: Polen verzichtet mit Wirkung zum 1. Januar 1954 auf Reparationen von Deutschland.
  • 12. September 1990: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist für Berlin der Schlusspunkt, Polen war nicht Vertragspartei.
  • 6,22 Billionen Złoty: So hoch beziffert der polnische Bericht vom 1. September 2022 die Kriegsschäden.
  • 10.000 Złoty im Jahr: So viel hält Warschau für jedes der bis zu 50.000 noch lebenden Opfer für angemessen, entschieden ist nichts.

Polen-Rundreise mit dem Auto: unsere Route in fünf Städten

Geplant war eigentlich nur die Ostsee. Zum Geburtstag meiner Frau sind wir am Montag, dem 19. Oktober, nach Mielno gefahren, zum ersten Mal mit unserem Baby auf großer Tour. Es hat uns dort so gut gefallen, dass wir spontan weitergefahren sind: die Küste entlang nach Danzig, dann ins Landesinnere nach Toruń, Bydgoszcz und Posen, und am 29. Oktober zurück nach Brandenburg. Die längste Etappe war gleich die erste: Von Mielno nach Danzig sind es 214 Kilometer. Die kürzeste lag zwischen Toruń und Bydgoszcz, gerade einmal 47 Kilometer. Zusammen kommen knapp sieben Stunden reine Fahrzeit zusammen, verteilt auf elf Tage. Die Zeit dazwischen gehörte den Städten und dem, was links und rechts der Straße liegt.

Routenkarte der Polen-Rundreise mit fünf Stationen: Mielno nach Danzig 214 Kilometer in 2 Stunden 28 Minuten, Danzig nach Toruń 170 Kilometer in 1 Stunde 52 Minuten, Toruń nach Bydgoszcz 47 Kilometer in 57 Minuten, Bydgoszcz nach Posen 138 Kilometer in 1 Stunde 40 Minuten, zusammen 569 Kilometer
Fünf Städte, vier Etappen, 569 Kilometer. Fahrzeiten ohne Pausen laut Routenplaner OSRM auf Basis von OpenStreetMap.

Wer die Strecke nachfahren will, findet hier die fünf Stationen im Überblick, mit den deutschen Namen, unter denen viele Orte in alten Familiengeschichten und Geschichtsbüchern auftauchen.

StadtDeutscher NameWofür sie stehtNicht verpassen
MielnoGroßmöllenOstseebad zwischen Meer und Jamno-SeeStrand und Seeluft
GdańskDanzigHansestadt, Beginn des Zweiten Weltkriegs, SolidarnośćLanger Markt, Westerplatte, Museum des Zweiten Weltkriegs
ToruńThornHansestadt, Kopernikus, Lebkuchen, UNESCO-WelterbeAltstadt, Stadtmauer an der Weichsel, Lebkuchenmuseum
BydgoszczBrombergWasserstadt an der Brda, IndustriegeschichteMühleninsel, Exploseum
PoznańPosenAlter Markt, Kaiserschloss, Aufstand von 1956Ziegenböcke am Rathaus um zwölf Uhr

Mit dem Auto durch Polen: Straßen, Maut und Unterkünfte

Die Straßen in Polen sind in einem Top-Zustand. Autobahnen und Schnellstraßen waren auf unserer ganzen Route neu oder frisch saniert, gut beschildert und angenehm zu fahren. Maut zahlen Autofahrer in Polen nur noch auf drei privat betriebenen Autobahnabschnitten, die staatlichen Autobahnen sind für Pkw seit Juli 2023 frei. Auf unserer Route betraf das die A1 zwischen Danzig und Toruń, je nach Ausfahrt bei Toruń 27,90 oder 29,90 Złoty laut Mautrechner des Betreibers, und auf dem Heimweg die A2 von Posen bis zur Grenze bei Świecko, 59 Złoty nach der Preistabelle der Autostrada Wielkopolska. Zusammen knapp 87 bis 89 Złoty, rund 20 Euro für die ganze Reise. Die Schnellstraßen S6 und S5 und die Landesstraße 80 zwischen Toruń und Bydgoszcz, über die der Rest der Strecke lief, kosten nichts. Das Geld sieht man der Straße an, und ich zahle es lieber so als für Schlaglöcher.

Gebucht haben wir von Station zu Station, meist am Abend vorher über Booking.com oder andere Reise-Apps, mal ein Apartment, mal ein Hotel mit drei Sternen. Enttäuscht wurden wir nirgends: sauber, bequem, einwandfreies Wasser, freundliches Personal. Ein Babybett stand jedes Mal ohne Aufpreis bereit, und ein später Check-out war überall eine Frage von einer Minute. Wer so spontan reist wie wir, braucht in Polen außerhalb der Hauptsaison keinen langen Vorlauf.

Mielno: Kurort an der polnischen Ostseeküste

Mielno liegt auf einem schmalen Streifen zwischen der Ostsee und dem Jamno-See, nicht weit von Koszalin, dem früheren Köslin. Der Ort lebt vom Meer und von seinen Gästen, viele von ihnen verbringen hier Kur- und Reha-Wochen. Für uns war Mielno der Ort für den Geburtstag und der Auftakt am Wasser. Hier fiel auch die Entscheidung, nicht nach Hause zu fahren, sondern weiter in die großen Städte. Wer aus Berlin oder Hamburg kommt, merkt schnell, wie nah die polnische Ostseeküste eigentlich ist.

Danzig: Sehenswürdigkeiten zwischen Altstadt, Hafen und Westerplatte

Danzig war die Hafenstadt unserer Reise, und sie ist wunderschön. Die Rechtstadt mit dem Langen Markt, den schmalen Bürgerhäusern und den Speichern an der Mottlau lädt zum Spazieren ein, und fast jede Fassade erzählt Geschichte. Dass ein großer Teil davon nach 1945 wieder aufgebaut wurde, sieht man den Straßen heute kaum an. Über allem steht die Marienkirche, nach eigenen Angaben die größte Backsteinkirche Europas.

Danzig ist auch der Ort, an dem der Zweite Weltkrieg begann. Am frühen Morgen des 1. September 1939 eröffnete das deutsche Linienschiff Schleswig-Holstein das Feuer auf das polnische Militärdepot auf der Westerplatte. Wer verstehen will, warum die Frage der Reparationen in Polen so tief sitzt, findet im Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig einen guten Einstieg. Vier Jahrzehnte später schrieb die Stadt noch einmal Geschichte: 1980 ging aus dem Streik auf der Danziger Werft die Gewerkschaft Solidarność hervor, davon erzählt das Europäische Solidarność-Zentrum.

Abends hieß es Pierogi. Die Lokale, die sich auf die gefüllten Teigtaschen spezialisiert haben, heißen in Polen Pierogarnia, und in der Danziger Altstadt gibt es gleich mehrere davon. Unser Tipp: einfach dort einkehren, wo die Einheimischen sitzen. Danzig war die teuerste Station unserer Reise, als Touristenhochburg liegen die Preise in der Altstadt spürbar über denen in Toruń und Bydgoszcz. Teuer im deutschen Sinn ist es trotzdem nicht, und gelohnt hat sich jeder Abend.

Toruń (Thorn): Warum uns diese Stadt in Polen am meisten beeindruckt hat

Toruń war unser absoluter Geheimfavorit, von allen fünf Städten hat sie uns am meisten beeindruckt. Die Altstadt ist sauber und gepflegt, die Restaurants sind gut, und an fast jeder Ecke gibt es Kultur zu sehen: Kirchen, die man nicht auslassen sollte, und Gassen mit farbigen Bürgerhäusern, durch die man einfach stundenlang schlendern kann. Unten an der Weichsel steht noch ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen. Seit 1997 gehört die mittelalterliche Stadt zum UNESCO-Welterbe, einen guten Überblick gibt das Tourismusportal Visit Toruń.

Hier wurde am 19. Februar 1473 Nikolaus Kopernikus geboren, der Astronom, der die Sonne in die Mitte des Weltbilds rückte. Getauft wurde er nach der Überlieferung in der Johanneskirche, der heutigen Kathedrale, das gotische Taufbecken steht noch heute dort. Und Toruń ist die Stadt der Lebkuchen: Pierniki werden hier seit dem Mittelalter gebacken, im Lebendigen Lebkuchenmuseum (Żywe Muzeum Piernika) kann man selbst Hand anlegen. Wir haben in Toruń außerdem Pfannkuchen gegessen, und an den Lebkuchen kommt dort ohnehin niemand vorbei.

Was wir vorher nicht wussten: Auf einem Weg in der Altstadt stehen die Namen von Städten, mit denen Toruń seit dem Mittelalter verbunden ist, Dortmund und Osnabrück darunter. Die Verbindung heißt Hanse. Toruń, 1231 vom Deutschen Orden gegründet und 1233 mit Stadtrecht ausgestattet, war wie Danzig Mitglied des großen Städtebunds, der Kaufleute von Brügge und London bis Bergen und Nowgorod verband. Mitten in Polen auf Dortmund zu stoßen, zeigt, wie eng diese Region und Deutschland seit Jahrhunderten verflochten sind, im Guten wie im Schlechten.

Bydgoszcz und Posen: Mühleninsel, Ziegenböcke und Industriegeschichte

In Bydgoszcz, auf Deutsch Bromberg, liegt mitten in der Stadt die Mühleninsel an der Brda: Wasser, alte Speicher, Grünflächen und Museen auf engem Raum. Am Stadtrand erzählt das Exploseum des Bezirksmuseums Bydgoszcz eine dunklere Geschichte. In der Sprengstofffabrik DAG Fabrik Bromberg mussten im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter arbeiten, die meisten von ihnen Polen. Genau um diese Generation geht es, wenn heute über eine humanitäre Geste gesprochen wird.

Den Abschluss der Reise macht Posen. Am Alten Markt stoßen jeden Mittag um zwölf Uhr zwei mechanische Ziegenböcke am Rathausturm die Köpfe zusammen, sie sind das Wahrzeichen der Stadt. Ein paar Straßen weiter steht das Kaiserschloss, gebaut von 1905 bis 1910 für Wilhelm II., als Posen zu Preußen gehörte. Und im Juni 1956 gingen hier Arbeiter gegen die kommunistische Führung auf die Straße, der Posener Aufstand gehört zum Selbstverständnis der Stadt.

Polen mit Baby: Wickelräume, Stillkabinen und Spielecken in jeder Stadt

Mit Baby unterwegs sieht man ein Land mit anderen Augen. Was uns in Polen am meisten aufgefallen ist: Eltern und Kinder werden überall mitgedacht. In jedem Einkaufszentrum, in dem wir waren, gab es große, saubere und moderne Wickelräume, oft mit Spielsachen und eigenen Kabinen zum Stillen. Dazu Spielecken mitten im Gang, in denen Kinder sich bewegen können, während die Eltern kurz durchatmen. Das war nicht die eine gute Ausnahme, das war in jeder Stadt so, an der Küste genauso wie in Posen.

Aus Deutschland kennen wir eher die Suche nach dem einen Wickeltisch, und wenn man ihn findet, ist er nicht immer ein Ort, an den man sein Kind gern legt. Da hat Deutschland Nachholbedarf, und das finde ich schade. Der Unterschied ist übrigens kein Zufall: Seit 2018 schreibt die polnische Bauverordnung bei Neu- und Umbauten von Gebäuden für Gastronomie, Handel und Dienstleistungen mit mehr als 1.000 Quadratmetern Nutzfläche einen eigenen Raum zum Stillen und Wickeln vor. In Deutschland gibt es keine vergleichbare allgemeine Pflicht, in Berlin wird sie seit Jahren gefordert. Für Eltern entscheidet sich im Alltag, ob ein Land familienfreundlich ist, nicht in Sonntagsreden.

Erklärt das, warum sich in Deutschland viele Paare gegen ein Kind oder gegen ein zweites entscheiden? So einfach ist es nicht. Polen zahlt seit Januar 2024 für jedes Kind bis zum 18. Geburtstag 800 Złoty im Monat, rund 182 Euro, ohne Einkommensgrenze, so beschreibt es das polnische Familienministerium. Trotzdem bekommen Frauen in Polen im Schnitt nur 1,07 Kinder, so die Statistikbehörde GUS für 2025, in Deutschland sind es nach Destatis 1,32. Wickelräume machen keine Kinder. Aber sie zeigen, ob ein Land Eltern im Alltag ernst nimmt, und genau das entscheidet, wie anstrengend die ersten Jahre werden. Wer einmal erlebt hat, wie entspannt man mit Kinderwagen durch ein polnisches Einkaufszentrum kommt, versteht, warum Eltern nach dem ersten Kind ins Grübeln kommen, ob sie das in Deutschland noch einmal machen wollen.

Essen gehen in Polen: herzlicher Service, deutlich niedrigere Preise

Gegessen haben wir überall gut, und überall wurden wir freundlich bedient. Speisekarten gibt es fast immer auf Englisch, manchmal auch auf Deutsch, und in den Altstädten stehen Promoter vor den Türen, die ihr Restaurant und ihre Küche vorstellen und einen hereinbitten. Das wirkt nicht aufdringlich, sondern nahbar. Auch abends haben wir uns in allen fünf Städten wohl und sicher gefühlt, die Straßen waren sauber, das Stadtbild gepflegt, mit vielen kleinen Läden und Restaurants.

Unser Lieblingsrestaurant fanden wir in Bydgoszcz auf der Mühleninsel: MONKA in den restaurierten Rother-Mühlen. Der Name steht dort in Großbuchstaben, und im ersten Moment haben wir Wonka gelesen. Als große Willy-Wonka-Fans, die schon in Las Vegas alles rund um Wonka mitgenommen haben, waren wir sofort neugierig. Mit Schokolade hat das Haus nichts zu tun, dafür mit Holzofen, eigener Bäckerei und italienisch-französischer Küche. Das Essen war klasse, eine klare Empfehlung. Das Stammhaus von MONKA steht übrigens in Toruń.

Unser Eindruck nach elf Tagen: In einem richtig guten Restaurant zahlt man in Polen 30 bis 40 Prozent weniger als in Deutschland. Die Statistik bestätigt die Richtung. Nach den Preisniveauindizes von Eurostat für 2025 liegen Restaurants und Hotels in Polen bei 80,5, wenn der EU-Durchschnitt 100 ist, Deutschland bei 108,4. Das ist rund ein Viertel weniger, über den gesamten Konsum gerechnet sogar gut ein Drittel (71,1 gegen 109,1). In den richtig guten Häusern war der Abstand nach unserem Gefühl noch größer.

Vier Kennzahlen zu Polen im Alltag: Restaurants und Hotels 26 Prozent günstiger als in Deutschland beim Preisniveau 2025, Kindergeld 800 Złoty je Kind und Monat, rund 182 Euro gegenüber 259 Euro in Deutschland, 1,07 Kinder je Frau in Polen 2025 gegenüber 1,32 in Deutschland, mit dem Zug von Frankfurt (Oder) nach Posen in 1 Stunde 33 Minuten ab Mitte Dezember
Was uns aufgefallen ist, in Zahlen. Quellen: Eurostat, polnisches Familienministerium, GUS, Destatis, PKP.

Wer überlegt, nicht nur Urlaub in Polen zu machen, sondern ganz hinzuziehen, findet die Zahlen dazu bei Gründerfreunde: Durchschnittsgehalt, Wohnkosten und Steuern in Polen und Deutschland im Vergleich, und alles zu Anmeldung, PESEL und Firma im Ratgeber Auswandern nach Polen.

Reparationen Polen: Warum die Forderung immer wieder auftaucht

Polen fordert Reparationen, weil es die Schäden des deutschen Angriffs und der Besatzung von 1939 bis 1945 nie für ausgeglichen hält. Ein Bericht, den eine Arbeitsgruppe des polnischen Parlaments am 1. September 2022 vorstellte, beziffert sie auf 6,22 Billionen Złoty. Am 3. Oktober 2022 forderte Warschau diese Summe per diplomatischer Note von Berlin, nach damaligem Kurs rund 1,3 Billionen Euro, wie der Verfassungsblog einordnet. Die Bundesregierung lehnte Verhandlungen ab.

Seitdem ist das Thema nicht mehr verschwunden. Präsident Karol Nawrocki, seit August 2025 im Amt, hat die Forderung bei seinem Antrittsbesuch in Berlin im September 2025 erhoben und am 1. September 2026 an der Westerplatte erneuert. Das Geld solle in die polnischen Streitkräfte und die Rüstungsindustrie fließen, sagte er in seiner Rede zum Jahrestag des Kriegsbeginns. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts antwortete am Tag danach in der Regierungspressekonferenz, die Frage sei juristisch abgeschlossen. Mehr Einordnungen zu solchen Themen aus Unternehmersicht sammle ich im Bereich Politik und Gesellschaft.

Zeitleiste der Reparationsfrage zwischen Polen und Deutschland in acht Stationen: 1945 Potsdam, 1953 Verzicht Polens zum 1. Januar 1954, 1990 Zwei-plus-Vier-Vertrag ohne Polen als Vertragspartei, 1991 Nachbarschaftsvertrag und 500 Millionen DM für die Aussöhnungsstiftung, 2004 Erklärung des Sejm, 2022 Bericht über 6,22 Billionen Złoty, 2024 Ankündigung von Olaf Scholz, 2026 erneute Forderung von Karol Nawrocki und Haushaltsentwurf 2027 ohne Mittel
Von Potsdam bis zur Westerplatte: acht Stationen der Reparationsfrage. Quellen: Bundestag, Bundesregierung, bpb, Sejm, Nordkurier, epd.

Polens Verzicht von 1953 und der Zwei-plus-Vier-Vertrag: die Rechtslage

Juristisch dreht sich alles um zwei Daten. Am 23. August 1953 erklärte die polnische Regierung, mit Wirkung zum 1. Januar 1954 auf Reparationen von Deutschland zu verzichten, kurz nachdem die Sowjetunion ihre Entnahmen aus der DDR beendet hatte. Nach dem Potsdamer Abkommen von 1945 sollten Polens Ansprüche ohnehin aus dem sowjetischen Anteil bedient werden. 1970 bestätigte der stellvertretende polnische Außenminister den Verzicht bei den Verhandlungen zum Warschauer Vertrag. So steht es im Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages von 2017.

Das zweite Datum ist der 12. September 1990. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten regelt aus Sicht der Bundesregierung abschließend alle Rechtsfragen zu den Folgen des Krieges. Wichtig für die Einordnung: Polen hat 1990 nicht ein zweites Mal verzichtet. Es war gar nicht Vertragspartei. Gesichert wurde im selben Jahr die Grenze, im Grenzvertrag vom 14. November 1990, und 1991 folgte der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag.

Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Linie. In ihrer Antwort an den Bundestag vom August 2024 heißt es: „Die Reparationsfrage ist abgeschlossen.“ Polen habe die Wirksamkeit des Verzichts später mehrfach bestätigt. Die Gegenseite hält mit zwei Argumenten dagegen. Erstens sei die Volksrepublik Polen 1953 unter dem Einfluss der Sowjetunion kein souveräner Staat gewesen, der Verzicht deshalb nichtig, so fasst der Völkerrechtsblog die polnische Position zusammen. Zweitens gilt im Völkerrecht: kein Vertrag zu Lasten Dritter, Artikel 34 der Wiener Vertragsrechtskonvention. Die Siegermächte konnten 1990 auf eigene Ansprüche verzichten, nicht aber auf die des unbeteiligten Polens, argumentiert der Verfassungsblog.

Meine Einordnung: Über die Billionen wird so bald kein Gericht entscheiden. Ein rechtsförmiges Verfahren hatte Polen seit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag nicht eingeleitet, das hielten die Wissenschaftlichen Dienste 2017 fest, und auch 2022 wählte Warschau den Weg der diplomatischen Note. Die Forderung ist vor allem ein politisches Signal. Spannender ist die Frage, die sich wirklich lösen lässt.

Was Deutschland an Polen gezahlt hat, und was heute fehlt

Direkte Reparationszahlungen der Bundesrepublik an den polnischen Staat gab es nicht. Nach dem Potsdamer Abkommen erhielt Polen bis 1953 Reparationen aus dem sowjetischen Anteil, also aus der sowjetischen Besatzungszone. In einem Schlussprotokoll vom 4. Juli 1957 erkannte Polen an, dass die Sowjetunion diese Pflicht erfüllt hat, so hält es das Bundestagsgutachten fest. Heute hält Warschau den Ausgleich für unzureichend. Dazu kommen Entschädigungen: 1975 zahlte die Bundesrepublik 1,3 Milliarden DM an Polen, und nach der Wiedervereinigung flossen weitere 500 Millionen DM, wie die Bundeszentrale für politische Bildung zur Entschädigung der Zwangsarbeit zusammenfasst. Verteilt wurden sie über die Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung. Ab 2001 zahlte die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ehemaligen Zwangsarbeitern einmalig zwischen 500 und 7.700 Euro.

JahrWasBetragFür wen
1975Globalzahlung an Polen1,3 Milliarden DMEntschädigung im Kalten Krieg, Zwangsarbeit nicht berücksichtigt
1991Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung500 Millionen DMOpfer der NS-Verfolgung in Polen, ausgezahlt von 1992 bis 2005
2001 bis 2007Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunfteinmalig 500 bis 7.700 Euro je Personehemalige Zwangsarbeiter, auch aus Polen
laufendBundesentschädigungsgesetzpersönliche EntschädigungVerfolgte aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung, auch in Polen
2022Forderung Polens6,22 Billionen Złoty, rund 1,3 Billionen Euroder polnische Staat
2024Angebot für eine humanitäre Geste200 Millionen Euro, von Polen als zu gering abgelehntnoch lebende Opfer
2026Vorschlag aus Warschau10.000 Złoty im Jahr je Person, rund 2.333 Eurobis zu 50.000 Überlebende

Die letzte Zeile ist die, um die es gerade geht. Umgerechnet wären das mit dem Kurs der Süddeutschen Zeitung knapp 195 Euro im Monat je Person, in deutschen Medien liest man auch von rund 170 Euro. Gezahlt wird bisher nichts, es ist ein Vorschlag aus Warschau, über den Berlin noch nicht entschieden hat.

Humanitäre Geste für die Überlebenden: Stand im Herbst 2026

Olaf Scholz hatte am 2. Juli 2024 in Warschau angekündigt, Deutschland werde die noch lebenden Opfer der Besatzung unterstützen, ohne Betrag und ohne Einzelheiten, wie Notes from Poland über die Regierungskonsultationen berichtete. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Juni 2026, wie die Nachrichtenagentur dts meldete, wies Donald Tusk ein Angebot über 200 Millionen Euro als zu gering zurück. Heute hält Warschau 10.000 Złoty im Jahr für jedes noch lebende Opfer für akzeptabel. Die Zeitung rechnet mit rund 100 Millionen Euro im ersten Jahr und insgesamt etwa 300 Millionen Euro.

Die Zeit drängt. Als Scholz die Unterstützung versprach, lebten nach Tusks Angaben, die sich auf die Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung stützen, noch rund 60.000 Opfer, Ende 2025 waren es rund 50.000. Heute dürften es weniger sein. „Beeilt euch, wenn ihr wirklich diese Geste machen wollt“, sagte Tusk am 1. Dezember 2025 nach den Regierungskonsultationen in Berlin. Friedrich Merz nannte dort keine Summe. Im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 ist bisher kein Geld vorgesehen, das Auswärtige Amt verweist auf eine fehlende politische Entscheidung, berichtete der Nordkurier am 2. Oktober 2026. Am 27. Oktober 2026 forderte der Bundesverband der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in einem offenen Brief an Merz, Klingbeil und Wadephul, die Mittel im weiteren Haushaltsverfahren bereitzustellen.

Vier Kennzahlen zur humanitären Geste: rund 50.000 noch lebende polnische Opfer Ende 2025 nach rund 60.000 im Juli 2024, nach Schätzungen sterben jeden Monat rund 1.000, Warschau hält 10.000 Złoty im Jahr je Person für angemessen, rund 2.333 Euro, der Entwurf des Bundeshaushalts 2027 sieht bisher 0 Euro vor
Weniger Überlebende, keine Entscheidung. Quellen: Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung über dpa, Süddeutsche Zeitung, Nordkurier, epd.

Meine Sicht als Nachbar und Unternehmer: Über Billionen wird man sich nicht einigen, über eine Geste für bis zu 50.000 hochbetagte Menschen schon. Die Bundesregierung sieht sich selbst in der Pflicht, sich um Unterstützung für die noch lebenden Opfer zu bemühen, so steht es in ihrer Antwort an den Bundestag von 2024. Jeder Monat ohne Entscheidung ist eine Entscheidung, denn nach Schätzungen sterben jeden Monat rund tausend der Betroffenen. Wer Geschichte ernst nimmt, sollte hier nicht länger rechnen als nötig.

Arbeiten auf der Polen-Rundreise: Agenten, Laptop und Pokémon-Karten

Der Laptop war dabei, und er hat nicht gestört. Während wir durch Polen gefahren sind, haben unsere KI-Agenten weitergearbeitet: Projekte betreut, Seiten geprüft, Texte vorbereitet. Ich habe nebenbei entschieden, freigegeben und nachgesteuert, der Rest des Tages gehörte uns und den Städten. Auch die Notizen für diesen Text habe ich unterwegs eingesprochen.

Das ist für mich die eigentliche Freiheit, die Agenten bringen: nicht unbedingt weniger Arbeit, aber Arbeit, die nicht an einen Schreibtisch gebunden ist. Die Voraussetzung ist, dass die Abläufe vorher sauber stehen und jeder Agent weiß, wofür er zuständig ist. Wie ich mehrere Firmen parallel aufbaue, habe ich ausführlich beschrieben, welche Werkzeuge dabei helfen, steht in meinem KI-Stack. Und wie der Weg dorthin begann, erzähle ich in Vom Aldi-PC zu Agenten.

Ein Termin stand trotzdem auf dem Zettel, und zwar ein schöner: Für SLABHIT, unseren Marktplatz für Live-Auktionen von Sammelkarten, waren wir auf der Suche nach Pokémon-Ware. Fündig wurden wir unter anderem bei Smyk, nach eigenen Angaben der größten Kinder- und Spielwarenkette Polens mit über 260 Filialen, wo es Pokémon-Karten auch auf Englisch gab. Unterwegs haben wir außerdem richtig gute Kartenläden gefunden und mit den Inhabern gesprochen. Daraus ist ein kleines Netzwerk entstanden, über das wir künftig Ware aus Polen beziehen wollen. Wie SLABHIT entstanden ist, steht im Beitrag zum Launch von SLABHIT mit Live-Shows.

Die nächste Polen-Reise: mit dem Zug nach Posen und Warschau

Die nächste Reise ist schon geplant. Zur Weihnachtszeit fahren wir wieder nach Polen, diesmal ohne Auto, mit dem Zug ab Frankfurt (Oder). Von dort fahren werktags acht direkte Züge nach Posen, die Fahrt dauert eine Stunde und 41 Minuten, ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember sogar nur eine Stunde und 33 Minuten. Bis Warschau gibt es mit dem Berlin-Warszawa-Express an Werktagen sieben direkte Verbindungen und gut vier Stunden Fahrt, nach der Fahrplanauskunft von PKP ab Dezember vier Stunden und zwölf Minuten. Die Deutsche Bahn verkauft Fahrten nach Polen mit dem Super Sparpreis Europa ab 18,99 Euro, Berlin bis Posen gibt es ab 19,99 Euro. Bequemer kann man eine Städtereise kaum anfangen.

Danach reizt uns das Dreieck aus Warschau, Łódź und Krakau, drei Städte, die wir noch nicht kennen. Und irgendwann geht es in den Süden an die Grenze zu Tschechien, in die Berge. Im Riesengebirge liegen auf polnischer Seite Szklarska Poręba mit der Skiarena am Szrenica und Karpacz am Fuß der Schneekoppe, zwei Wintersportorte direkt an der Grenze. Polen im Schnee, das fehlt uns noch.

Unser Fazit zur Polen-Rundreise: ein Nachbarland, das sich lohnt

Fünf Städte, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Mielno als ruhiger Ort am Meer, Danzig als stolze Hafenstadt voller Geschichte, Toruń als mittelalterliches Schmuckstück, Bydgoszcz mit seiner Mühleninsel und Posen mit seinem Alten Markt. Dazu viel polnische Kultur links und rechts der Straße und gutes Essen, von Pierogi bis Lebkuchen. Und ein Land, das uns im Alltag überzeugt hat: gute Straßen, saubere Städte, herzlicher Service, faire Preise und ein selbstverständlicher Platz für Familien mit Kind.

Einfach ein Auto nehmen, ein paar Städte anfahren, spontan buchen und sich nebenbei mit der Geschichte des Nachbarlands beschäftigen: Das kann ich jedem empfehlen. Wer weiß, was auf der Westerplatte geschah und wer in der Fabrik in Bromberg arbeiten musste, liest die Nachrichten über Reparationen mit anderen Augen. Und wer dann noch in Toruń auf den Namen Dortmund stößt, versteht, wie nah wir uns eigentlich sind.

Häufige Fragen

Hat Deutschland Reparationen an Polen gezahlt?

Direkt von der Bundesrepublik an den polnischen Staat nicht. Nach dem Potsdamer Abkommen erhielt Polen bis 1953 Reparationen aus dem sowjetischen Anteil und erkannte 1957 deren Erfüllung an, 1953 verzichtete es auf weitere. Entschädigungen gab es dagegen: 1,3 Milliarden DM im Jahr 1975, 500 Millionen DM nach der Wiedervereinigung über die Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung, Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter von 2001 bis 2007 und Leistungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz.

Warum fordert Polen Reparationen von Deutschland?

Polen hält die Schäden des deutschen Angriffs und der Besatzung von 1939 bis 1945 für nie ausgeglichen. Ein Bericht vom 1. September 2022 beziffert sie auf 6,22 Billionen Złoty, rund 1,3 Billionen Euro. Präsident Karol Nawrocki hat die Forderung zuletzt am 1. September 2026 an der Westerplatte erneuert.

Hat Polen 1953 auf Reparationen verzichtet?

Ja. Die polnische Regierung erklärte am 23. August 1953 den Verzicht mit Wirkung zum 1. Januar 1954 und bestätigte ihn 1970. Die Bundesregierung hält ihn für bindend und sieht die Frage mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 als abschließend geregelt. Kritiker in Polen argumentieren, der Verzicht sei unter sowjetischem Druck entstanden, und Polen war 1990 nicht Vertragspartei.

Bekommen polnische NS-Opfer heute Geld aus Deutschland?

Wer aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung verfolgt wurde, erhält Leistungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz, auch in Polen. Für die meisten anderen polnischen Opfer gibt es keine laufende Leistung. Eine zusätzliche humanitäre Geste für die bis zu 50.000 noch lebenden Opfer ist seit 2024 im Gespräch, Polen hält 10.000 Złoty im Jahr pro Person für angemessen. Beschlossen ist sie nicht, im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 steht dafür bisher kein Geld.

Wie viel Zeit braucht man für eine Polen-Rundreise mit dem Auto?

Für unsere Route über Mielno, Danzig, Toruń, Bydgoszcz und Posen liegen 569 Kilometer und knapp sieben Stunden reine Fahrzeit zwischen den Städten. Mit Zeit zum Ankommen und Spazieren sind zehn Tage bis zwei Wochen ein gutes Maß, wir waren elf Tage unterwegs. Maut fällt nur auf einzelnen Autobahnabschnitten an, die Schnellstraßen sind frei.

Ist Polen familienfreundlich, wenn man mit Baby reist?

Nach unserer Erfahrung sehr. In jedem Einkaufszentrum, das wir besucht haben, gab es große, saubere Wickelräume, oft mit Stillkabinen und Spielecken. Babybetten gab es in allen Unterkünften ohne Aufpreis, ein später Check-out war überall möglich. Dahinter steht auch eine Vorgabe: Seit 2018 schreibt die polnische Bauverordnung bei Neu- und Umbauten größerer Restaurants, Läden und Dienstleistungsgebäude einen eigenen Raum zum Stillen und Wickeln vor. Dazu zahlt Polen für jedes Kind bis 18 Jahre 800 Złoty Kindergeld im Monat.

Wie viel günstiger ist Essen gehen in Polen als in Deutschland?

Nach Eurostat liegen Restaurants und Hotels in Polen 2025 rund ein Viertel unter dem deutschen Preisniveau, der Konsum insgesamt gut ein Drittel. In guten Restaurants haben wir nach unserem Eindruck 30 bis 40 Prozent weniger bezahlt als in Deutschland. In Touristenzentren wie der Danziger Altstadt liegen die Preise spürbar höher als in Toruń und Bydgoszcz.

Hinweis: Die politischen Angaben haben den Stand vom 28. Oktober 2026. Entscheidet der Bundestag im Haushalt 2027 über die humanitäre Geste, ergänze ich das hier.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

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Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.

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