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Unzufriedenheit mit der Politik: Warum sich Menschen von der Mitte im Stich gelassen fühlen

Unzufriedenheit mit der Politik: Warum sich Menschen von der Mitte im Stich gelassen fühlen

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kamen AfD und Die Linke zusammen auf 52,3 Prozent der Zweitstimmen, bei der Bundestagswahl 2025 bundesweit auf 29,6 Prozent und 1998 erst auf 5,1 Prozent. Gleichzeitig befürworten laut Deutschland-Monitor 2025 98 Prozent der Menschen die Demokratie als Staatsform, aber nur 60 Prozent sind mit ihrem Funktionieren zufrieden. Für mich ist das kein Zeichen, dass die Menschen die Demokratie ablehnen. Es ist ein Zeichen, dass sie sich von einem System im Stich gelassen fühlen, das zu wenig löst.

Stand: 27. September 2026.

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Die Mitte und die Ränder in Zahlen

Die Entwicklung lässt sich an den Ergebnissen der Bundeswahlleiterin ablesen. Union und SPD, die lange zusammen drei Viertel der Stimmen hatten, kamen 2025 auf 44,9 Prozent. AfD und Die Linke, bis 2004 PDS, kamen zusammen auf 29,6 Prozent. Dazu erreichte das BSW 4,98 Prozent, knapp unter der Fünfprozenthürde.

Säulendiagramm: Zweitstimmenanteil von AfD und Die Linke zusammen bei den Bundestagswahlen, 1998 5,1 Prozent, 2002 4,0, 2005 8,7, 2009 11,9, 2013 13,3, 2017 21,9, 2021 15,3 und 2025 29,6 Prozent
AfD und Die Linke kamen 2025 zusammen auf fast 30 Prozent, 2021 waren es noch 15 Prozent. Quelle: Die Bundeswahlleiterin, endgültige Ergebnisse.
BundestagswahlUnion und SPD zusammenDie Linke (bis 2004 PDS)AfDAfD und Die Linke zusammen
199876,1 %5,1 %nicht angetreten5,1 %
200569,4 %8,7 %nicht angetreten8,7 %
201367,3 %8,6 %4,7 %13,3 %
201753,4 %9,2 %12,6 %21,9 %
202149,8 %4,9 %10,4 %15,3 %
202544,9 %8,8 %20,8 %29,6 %

Die Summen sind aus den absoluten Stimmen gerechnet, deshalb weichen sie in einzelnen Jahren um einen Zehntelpunkt von der Summe der gerundeten Einzelwerte ab. Der Verlauf ist keine gerade Linie. 2021 schrumpften die Ränder, weil Die Linke fast halbiert wurde und auch die AfD verlor. Das zeigt, dass Wähler sich bewegen lassen, in beide Richtungen. Wie man solche politischen Zahlen sauber einordnet, habe ich in Was politische Zahlen wert sind beschrieben.

Die Landtagswahlen im September 2026

Im September 2026 hat sich dieses Bild in drei Ländern fortgesetzt, und zwar deutlicher als im Bund. In Sachsen-Anhalt kamen AfD und Die Linke am 6. September nach dem endgültigen Ergebnis der Landeswahlleiterin zusammen auf 52,3 Prozent, CDU und SPD auf 26,5 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern waren es am 20. September nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters 44,8 Prozent für AfD und Die Linke, die CDU scheiterte mit 4,9 Prozent an der Fünfprozenthürde. In Berlin wurde am selben Tag Die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, zusammen mit der AfD kamen beide nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters auf 41,9 Prozent.

Landtagswahl 2026AfDDie LinkeAfD und Die Linke zusammenCDU und SPD zusammenWahlbeteiligung
Sachsen-Anhalt, 6. September43,8 %8,6 %52,3 %26,5 %77,8 %
Mecklenburg-Vorpommern, 20. September38,2 %6,5 %44,8 %40,4 %78,1 %
Berlin, 20. September16,3 %25,7 %41,9 %30,9 %74,2 %

Für Sachsen-Anhalt gilt das endgültige, für Mecklenburg-Vorpommern und Berlin das vorläufige Ergebnis, die Summen sind aus den absoluten Zweitstimmen gerechnet. In allen drei Ländern kamen die beiden Parteien an den Rändern zusammen auf mehr Stimmen als CDU und SPD, in Sachsen-Anhalt auf mehr als die Hälfte. Landtagswahlen folgen eigenen Regeln, im Osten sind die Parteien anders verankert als im Westen, und Berlin ist eine Großstadt. Die Richtung ist trotzdem dieselbe wie im Bund.

Warum Menschen sich vom System im Stich gelassen fühlen

Der Deutschland-Monitor 2025, erarbeitet vom Zentrum für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und dem GESIS-Institut, misst genau diese Lücke. 98 Prozent stimmen der Demokratie als Staatsform zu. Mit ihrem tatsächlichen Funktionieren sind nur 60 Prozent zufrieden. Im Osten ist der Wert zuletzt von 43 auf 51 Prozent gestiegen. 71 Prozent sehen rückblickend auf zehn Jahre eine eher negative Entwicklung der Demokratie, bei Menschen mit populistischen Einstellungen sind es 85 Prozent.

Ein Befund aus derselben Studie finde ich besonders wichtig: Die Bereitschaft, Veränderungen und Belastungen mitzutragen, steigt, wenn der Staat als handlungsfähig wahrgenommen wird und Entscheidungen nachvollziehbar sind. Das Problem ist also nicht, dass die Menschen keine Reformen wollen. Das Problem ist, dass sie nicht glauben, dass der Staat sie umsetzt.

Das Strukturproblem: Jeder redet mit, keiner entscheidet

Demokratie heißt für mich, für die eigenen Vorschläge Mehrheiten zu gewinnen. In der Praxis erlebe ich etwas anderes: Jeder meldet sich lautstark zu Wort, jede Meinung gilt als gleich richtig, und jeder muss gehört werden, bevor irgendetwas passiert. Das ist gut gemeint und lähmt trotzdem. Mehr Parteien im Parlament bedeuten längere Regierungsbildungen und fragilere Bündnisse. Im Auftakt dieser Serie, Unternehmer und Politik, habe ich gezeigt, dass es 2017 171 Tage bis zur Kanzlerwahl dauerte. Nach dem Datenhandbuch des Bundestages waren es 2009 noch 31 Tage, 2021 dann 73 und 2025 72 Tage. Für ein Unternehmen sind zweieinhalb Monate ohne Regierung zweieinhalb Monate ohne verlässliche Linie bei Steuern, Energie und Förderung. Für einen Bürger, der auf eine Entscheidung wartet, fühlen sie sich wie Stillstand an, auch wenn im Hintergrund verhandelt wird.

Wer als Bürger den Eindruck hat, dass sich trotz aller Debatten nichts bewegt, sucht nach Parteien, die versprechen, alles anders zu machen. Das halte ich für eine rationale Reaktion auf eine Mitte, die zu lange verwaltet und zu wenig entschieden hat.

Unzufriedenheit ist keine Politikverdrossenheit

Wer von „Politikverdrossenheit“ spricht, übersieht eine Zahl. 2025 gingen laut Bundeswahlleiterin 82,5 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl, mehr als bei jeder Bundestagswahl seit 1998, als es 82,2 Prozent waren. 2009 lag die Beteiligung bei 70,8 Prozent, 2021 bei 76,4 Prozent. Bei den Landtagswahlen im September lag die Beteiligung in Sachsen-Anhalt bei 77,8 und in Mecklenburg-Vorpommern bei 78,1 Prozent. Die Menschen wenden sich also nicht von der Politik ab. Sie gehen wählen, und sie wählen anders.

Das ist eine gute Nachricht für die Demokratie und eine unbequeme für die Parteien der Mitte. Wer wählen geht und trotzdem nicht die Parteien wählt, die das Land seit Jahrzehnten führen, sagt damit etwas sehr Konkretes: Ich will, dass sich etwas ändert, und ich traue es euch nicht mehr zu. Diese Botschaft ist präziser als jede Umfrage, und sie lässt sich nicht mit Kampagnen beantworten, sondern nur mit Ergebnissen, die Menschen im Alltag spüren.

Was Unternehmer vom Staat erleben

Als Unternehmer erlebe ich den Staat vor allem als Behörde. Das Finanzamt kann Konten abfragen, pfänden und Bescheide vollstrecken, bevor ein Gericht die Sache geprüft hat. Für die Finanzämter fragte das Bundeszentralamt für Steuern 2023 laut Antwort der Bundesregierung 169.901-mal Kontodaten ab, über alle Behörden waren es 1,4 Millionen Abrufe. Wer sich wehrt, beantragt die Aussetzung der Vollziehung, über die zuerst dasselbe Finanzamt entscheidet. Bescheide kommen mit falscher Progression oder doppelt erfassten Beträgen, und man muss grundsätzlich erst einmal widersprechen. Mehrfach hatte ich das Gefühl, nach einem gewonnenen Einspruch als unbequemer Fall zu gelten, weil die nächste Nachfrage und die nächste Prüfung folgten. Wie ein Finanzamt organisiert ist und wer es kontrolliert, steht in Wie arbeitet ein Finanzamt, und wer kontrolliert es.

Ich schreibe das nicht, um Beamte schlechtzumachen. Ich schreibe es, weil diese Erfahrung weit über Unternehmer hinausgeht. Wer vom Staat vor allem Forderungen, Fristen und Formulare kennt, aber selten eine schnelle Lösung, verliert das Vertrauen in die Parteien, die diesen Staat seit Jahrzehnten führen.

Verständnis ist keine Zustimmung

Ich kann verstehen, warum so viele Menschen AfD oder Die Linke wählen. Ich teile deren Programme nicht, und ich ergreife auf diesem Blog für keine Partei Partei. Aber ich kenne die Unzufriedenheit, aus der diese Stimmen kommen, und ich halte es für falsch, sie als bloßen Protest abzutun. Wer die Wähler der Ränder zurückgewinnen will, muss ihre Erfahrungen ernst nehmen, nicht nur ihre Parteien bekämpfen. Wer diese Wähler als verloren abschreibt, überlässt sie denen, die einfache Antworten versprechen. Und wer ihnen zuhört, erfährt oft Dinge über Behörden, Mieten, Energiepreise und Wartezeiten, die in keiner Parteizentrale auf dem Tisch liegen.

Was die Mitte jetzt liefern muss

Die beste Antwort auf wachsende Ränder ist eine Mitte, die sichtbar Probleme löst. Für mich heißt das: Behörden bekommen verbindliche Fristen, und wer sie überschreitet, trägt die Folgen. Wer einen falschen Bescheid korrigieren muss, bekommt seine Kosten erstattet. Förderprogramme werden so einfach, dass man sie ohne Anwalt beantragen kann. Und Verwaltung wird digital, nicht als Ankündigung, sondern als Standard. Das sind keine Fragen von links oder rechts. Es sind Fragen danach, ob der Staat für seine Bürger arbeitet.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent haben AfD und Die Linke 2025 zusammen erreicht?

Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 kamen sie zusammen auf 29,6 Prozent der Zweitstimmen, die AfD auf 20,8 und Die Linke auf 8,8 Prozent. 1998 lag die PDS bei 5,1 Prozent.

Wie haben AfD und Die Linke bei den Landtagswahlen im September 2026 abgeschnitten?

In Sachsen-Anhalt kamen sie am 6. September 2026 zusammen auf 52,3 Prozent der Zweitstimmen, in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September auf 44,8 Prozent und in Berlin am selben Tag auf 41,9 Prozent. Für Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist das das vorläufige Ergebnis.

Wie zufrieden sind die Deutschen mit der Demokratie?

Laut Deutschland-Monitor 2025 stimmen 98 Prozent der Demokratie als Staatsform zu, aber nur 60 Prozent sind mit ihrem Funktionieren zufrieden. Im Osten sind es 51 Prozent.

Warum wählen Menschen AfD oder Die Linke?

Die Gründe sind vielfältig. Ein wiederkehrender Befund ist die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren von Staat und Demokratie. Laut Deutschland-Monitor sehen 71 Prozent eine eher negative Entwicklung der Demokratie in den letzten zehn Jahren.

Haben Union und SPD noch eine Mehrheit?

Nach Zweitstimmen nicht mehr. 2025 kamen sie zusammen auf 44,9 Prozent, 1998 waren es 76,1 Prozent. Im Bundestag haben sie mit 328 von 630 Sitzen trotzdem eine Mehrheit, weil Parteien unter fünf Prozent keine Sitze erhalten.

Wann ist die Bereitschaft zu Reformen am größten?

Laut Deutschland-Monitor 2025 steigt sie, wenn Belastungen als sozial- und generationengerecht empfunden werden, der Staat als handlungsfähig wahrgenommen wird und Entscheidungen nachvollziehbar sind.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

Aus unserem Ökosystem: Weidner Ventures. Beteiligungen und operative Unterstützung für Unternehmen in Energie, Finanzen und Commerce. Zur Website →

Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.

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