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Unternehmer und Politik: Warum Deutschland eine Reform der Finanzverwaltung braucht

Unternehmer und Politik: Warum Deutschland eine Reform der Finanzverwaltung braucht

Auf diesem Blog ergreife ich nicht Partei für eine politische Richtung. Eine klare Meinung habe ich trotzdem: Deutschland braucht eine Reform der Finanzverwaltung, weil Finanzämter viele Unternehmer heute eher verfolgen als begleiten. Warum ich die politischen Debatten als Unternehmer genau verfolge, was ich an der Mitte kritisiere und was sich für Gründer ändern muss, egal welche Farbe regiert, steht in diesem Beitrag.

Stand: 25. September 2026.

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Warum Unternehmer Politik verfolgen sollten, auch ohne Parteibuch

Politik entscheidet über die Bedingungen, unter denen wir gründen, investieren und leben. Steuern, Genehmigungen, Energiepreise, Fachkräfte und Kapital sind am Ende politische Größen. Deshalb verfolge ich die Debatten sehr genau, auch wenn ich keiner Partei angehöre.

In den vergangenen Wochen gab es auffällig viele gute politische Sendungen. Bei Markus Lanz, bei Caren Miosga, bei maischberger und im Bericht aus Berlin wurde sachlich und auf hohem Niveau diskutiert. Eine Frage kam immer wieder: Regiert man nach der Stimmung im Land oder nach dem, was sachlich richtig und notwendig ist? Ich empfehle jedem Gründer, solche Sendungen regelmäßig zu schauen, in der Mediathek oder als Podcast. Man muss nicht jede Position teilen. Wer aber hört, wie andere argumentieren, ordnet die eigene Meinung besser ein und erkennt früher, was auf sein Unternehmen zukommt.

Demokratie heißt Mehrheiten gewinnen, und die gemeinsame Mitte schrumpft

Demokratie bedeutet für mich zuerst, für die eigenen Vorschläge Mehrheiten zu gewinnen. Genau das wird schwerer. Union und SPD kamen bei der Bundestagswahl 1998 zusammen auf 76,1 Prozent der Zweitstimmen. Bei der Wahl im Februar 2025 waren es noch 44,9 Prozent, so die Ergebnisse der Bundeswahlleiterin. Die beiden Parteien, die lange allein eine breite Mehrheit hatten, erreichen gemeinsam keine Hälfte der Stimmen mehr.

Säulendiagramm: Zweitstimmenanteil von CDU/CSU und SPD zusammen bei den Bundestagswahlen, 1998 76,1 Prozent, 2002 77,0, 2005 69,4, 2009 56,8, 2013 67,3, 2017 53,4, 2021 49,8 und 2025 44,9 Prozent
Union und SPD kamen 1998 zusammen auf drei Viertel der Stimmen, 2025 auf weniger als die Hälfte. Quelle: Die Bundeswahlleiterin, endgültige Ergebnisse.

Mehr Parteien heißt mehr Stimmen, die mitreden wollen. Das ist Pluralismus, und er ist ein Wert. Er macht Regierungsbildungen aber länger und Bündnisse fragiler, wie die Zahlen aus dem Datenhandbuch des Bundestages zeigen.

BundestagswahlUnion und SPD zusammenFraktionen zu BeginnTage bis zur Kanzlerwahl
200569,4 %565
200956,8 %531
201367,3 %486
201753,4 %6171
202149,8 %673
202544,9 %572

2017 dauerte es 171 Tage, bis ein Kanzler gewählt war. Für ein Unternehmen ist das fast ein halbes Jahr ohne klare Linie bei Steuern, Förderung und Energie. Die Mitte muss sich entscheiden, mit wem sie verlässlich zusammenarbeiten will, und sie muss Ergebnisse liefern, damit die Ränder nicht weiter wachsen.

Warum so viele Menschen der Mitte den Rücken kehren

Ich kann verstehen, warum so viele Menschen AfD oder Die Linke wählen. Nicht, weil ich deren Programme teile, sondern weil ich die Unzufriedenheit kenne, aus der diese Stimmen kommen. Viele Bürger und gerade viele Selbstständige erleben einen Staat, der fordert, prüft und vollstreckt, aber selten zuhört. Die Parteien der Mitte tragen dieses System seit Jahrzehnten, und sie haben es nicht reformiert.

Wenn Politiker von SPD und CDU über Steuern streiten, geht es hart zur Sache, und am Ende trinken sie trotzdem ein Bier zusammen. Sie teilen dieselben Grundlagen und sind sich nur beim Weg uneins. So entstehen Kompromisse. Schwierig wird es, wenn die Grundrichtung nicht mehr passt, etwa bei der Westbindung, die die CDU seit Konrad Adenauer in ihrer DNA trägt. Bei Lanz vertrat der Historiker Andreas Rödder am 24. September ein Modell roter Linien statt einer Brandmauer, der Politikwissenschaftler Herfried Münkler hielt deutlich dagegen. Ich finde es richtig, dass diese Debatte offen geführt wird. Die beste Antwort auf wachsende Ränder bleibt aber eine Mitte, die Probleme sichtbar löst.

Das Finanzamt hat seine Rolle aus dem Blick verloren

Ein Thema treibt mich mehr um als jedes andere, und ich schreibe es so deutlich, wie ich es meine: Die Finanzverwaltung in Deutschland hat ihre Stellung verkannt. Sie ist Teil eines Gemeinwesens, das von seinen Unternehmen lebt. Viele Gründer erleben sie heute als Gegner, der nicht versteht, wie ein Unternehmen aufgebaut wird und wie es tickt.

Wir sind mit mehreren Firmen, die wir aufgebaut haben, immer wieder mit Finanzämtern aneinandergeraten. Oft ging es um Krypto: wie Kryptowerte versteuert werden, wie ein Tausch zu behandeln ist, wie Bestände zu bewerten sind. Dazu kommen fehlerhafte Bescheide im Privaten, etwa ein falsch berechneter Progressionsvorbehalt. Jeder dieser Fehler kostet Tage, mit Unterlagen, Einspruch, Abstimmung mit dem Steuerberater und Telefonaten. Von befreundeten Unternehmern höre ich Ähnliches: Vorsteuer wird mit Begründungen versagt, die einer Prüfung nicht standhalten, und sobald Geld auf dem Firmenkonto liegt, fragt das Finanzamt beim Bundeszentralamt für Steuern ab, wo Konten bestehen, und pfändet. Ein Einspruch hält die Vollstreckung nicht auf, solange keine Aussetzung der Vollziehung gewährt ist.

Der Kontenabruf ist längst Routine. Laut Bundesregierung gab es 2023 bundesweit rund 1,4 Millionen Kontenabrufe, die meisten für Gerichtsvollzieher. Allein für die Finanzämter fragte das Bundeszentralamt für Steuern 169.901-mal ab, wie der Pressedienst des Bundestages berichtet. Insgesamt waren es 2014 nach Angaben der Bundesdatenschutzbeauftragten noch 237.126 Ersuchen, also rund ein Sechstel. Die Betroffenen erfahren davon oft erst hinterher.

Wer zu spät abgibt, zahlt, und wer Fehler des Finanzamts korrigiert, geht leer aus

Am deutlichsten zeigt sich die Schieflage bei den Folgen von Fehlern. Die Regeln sind einseitig:

SituationFolge für den UnternehmerGrundlage
Steuererklärung kommt zu spätVerspätungszuschlag, mindestens 25 Euro je angefangenem Monat, bei Abgabe nach 14 Monaten automatisch§ 152 AO
Steuer wird zu spät gezahltSäumniszuschlag von 1 Prozent je angefangenem Monat§ 240 AO
Bescheid des Finanzamts ist falsch, Einspruch hat ErfolgKeine Erstattung der eigenen Kosten und keine Entschädigung für die ZeitDas Einspruchsverfahren kennt keine Kostenerstattung, erstattet wird nur nach gewonnenem Klageverfahren (§ 139 FGO)

Zinsen laufen zwar in beide Richtungen, 0,15 Prozent je Monat nach § 233a AO. Die Arbeitszeit, die ein Unternehmer in die Korrektur eines falschen Bescheids steckt, ersetzt aber niemand. Man bekommt Recht, sonst nichts. Ein Staat, der für jede Verspätung Zuschläge verlangt und für die eigenen Fehler nichts zahlt, ist an dieser Stelle schlicht lächerlich. Das schreibe ich bewusst so.

Erst vollstrecken, später prüfen: wo die Gewaltenteilung beim Finanzamt zu spät greift

Das Finanzamt kann Konten pfänden, Haftungsbescheide gegen Geschäftsführer persönlich erlassen, Schätzungen festsetzen und ein Strafverfahren einleiten. All das geschieht, bevor ein Gericht die Sache angesehen hat. Hält ein Unternehmer den Bescheid für falsch, beantragt er die Aussetzung der Vollziehung nach § 361 AO. Über diesen Antrag entscheidet zuerst dasselbe Finanzamt, das den Bescheid erlassen hat. Lehnt es ab, bleibt nur der Antrag beim Finanzgericht nach § 69 FGO, und bis dort entschieden ist, vergehen oft Wochen oder Monate.

In dieser Zeit läuft die Vollstreckung weiter. Das Konto ist leer, die Kreditkarte gesperrt, Partner und Banken sehen rote Lampen. Stellt das Gericht später fest, dass das Finanzamt falsch lag, ist das Unternehmen womöglich schon nicht mehr handlungsfähig. Schadensersatz gibt es dann nur über eine Amtshaftungsklage vor dem Zivilgericht, mit hohen Hürden. Gewaltenteilung, die erst ein halbes Jahr nach dem Eingriff greift, schützt ein junges Unternehmen nicht. Das Finanzamt sollte deshalb vor einer gerichtlichen Klärung deutlich weniger eingreifen dürfen, gerade weil es viele Fehler macht.

Diese Fehler erleben meine Frau und ich auch privat. Mehrfach kamen Bescheide mit einer falsch berechneten Progression oder mit Beträgen, die doppelt erfasst waren, weil eine Nachbuchung des Steuerberaters zusätzlich statt ersetzend übernommen wurde. Viele Bescheide entstehen heute ohne menschliche Prüfung: Die Abgabenordnung erlaubt ausdrücklich vollautomatisch erlassene Bescheide. Die Folge ist, dass man grundsätzlich erst einmal widersprechen und prüfen lassen muss, und jede Prüfung kostet Steuerberater oder Fachanwalt. Das ist kein Einzelfall, das ist Alltag für Unternehmer. Und wer sich wehrt und gewinnt, hat nicht selten das Gefühl, danach als unbequemer Fall zu gelten: Mehrfach folgte auf einen gewonnenen Einspruch die nächste Nachfrage, die nächste Prüfung, der nächste Bescheid. Ein Wettkampf sollte das nie sein.

Augenmaß statt Rechthaberei: was Finanzbeamte über Unternehmen verstehen müssen

Es geht nicht darum, dass einzelne Beamte ihre Sicht durchsetzen oder Stärke zeigen. Es geht um Augenmaß und um den Menschen, und genau das wird oft vergessen. Wer einen Bescheid schreibt, der ein junges Unternehmen trifft, sollte verstehen, wie Unternehmen aufgebaut werden, wie Liquidität in den ersten Jahren aussieht und was eine Pfändung in dieser Phase anrichtet. Ein Anruf klärt oft mehr als drei Schreiben. Prozesse in eine Software zu tippen und sich dann modern zu fühlen, ersetzt nicht das Gespräch mit dem Unternehmen, um das es geht.

Viele Start-ups in Deutschland laufen ein, zwei Jahre gut an. Im dritten oder vierten Jahr kommen die erste Betriebsprüfung oder ein Bescheid, der nicht haltbar ist, und binden Geld, Zeit und Nerven genau dann, wenn das Unternehmen wachsen müsste. Manche überleben das nicht. So wird man keine Gründernation, sondern eine Kaputtmachnation.

Was sich für Gründer ändern muss, egal welche Farbe regiert

Eine Reform der Finanzverwaltung. Dafür würde ich mich jederzeit einsetzen, und ich unterschreibe sie aus voller Überzeugung. Konkret heißt das für mich: Wer nachweislich einen falschen Bescheid korrigieren musste, bekommt die Kosten auch im Einspruchsverfahren erstattet. Bei strittigen Forderungen ist die Aussetzung der Vollziehung die Regel und keine Gnade, und vor einem Kontenabruf steht ein Gespräch. Für Krypto und digitale Geschäftsmodelle gibt es spezialisierte Stellen, damit nicht jedes Finanzamt die Besteuerung neu erfindet. Junge Unternehmen erhalten in den ersten Jahren einen festen Ansprechpartner mit Telefonnummer, und Betriebsprüfungen werden in Monaten abgeschlossen statt in Jahren. Ohne diese Reform wird sich am Unternehmertum in Deutschland nichts ändern, egal welche Partei regiert.

Eigentum. Beim Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ vom 26. September 2021 stimmten 59,1 Prozent mit Ja. Das Land hat inzwischen ein Rahmengesetz zur Vergesellschaftung beschlossen, das im März 2028 in Kraft treten soll. Als Unternehmer kann ich nicht für Enteignung sein. Mehr Wohnraum entsteht durch mehr Bauen, und dafür braucht es Kapital, das bleiben will.

Kapital aus dem Ausland. In den letzten Wochen wollten amerikanische Investoren in ein deutsches Unternehmen einsteigen. Die Antwort war ein Notarvertrag mit rund 30 Seiten und Unterschriften in mehreren Runden. Die Abtretung eines GmbH-Anteils muss nach § 15 GmbHG notariell beurkundet werden, online per Video geht das 2026 nur für die Gründung. Bei einem Kaufpreis von 5 Millionen Euro kostet allein die Beurkundung nach der Gebührentabelle des GNotKG 16.270 Euro netto. Einem Investor aus den USA ist das schwer zu erklären.

Standortwahl. Viele Gründer, die ich kenne, gründen inzwischen in Dubai oder auf Zypern. Welche Rechnung dahinter steht, habe ich im Beitrag über Auswandern als Unternehmer beschrieben. Wir sind vor fast zwei Jahren aus Berlin nach Brandenburg gezogen und haben SLABHIT bewusst hier gegründet, weil wir hier das meiste Potenzial sehen und eine Landesregierung, die Gründer sichtbar will. Hier lässt man das Fahrrad vor dem Bäcker ohne Schloss stehen, man grüßt sich und kennt sich. Das ist Lebensqualität, und für Familien entscheidet sie, wo Unternehmer wohnen und arbeiten. Wie der Start gelaufen ist, steht im Beitrag zum SLABHIT-Launch.

Meinungen ändern, wenn die Argumente stärker sind

Ich habe Positionen, und ich vertrete sie. Eine Meinung darf sich aber ändern, wenn andere Argumente stärker werden. Das gilt für Unternehmer wie für Politiker, und es gilt auch für Behörden. Wer rational und pragmatisch bleibt, seine Standpunkte prüft und für eine gute Position Mehrheiten sucht, handelt im besten Sinne demokratisch. Wie man politische Zahlen einordnet, zeige ich im Beitrag Was politische Zahlen wert sind. Schreibt mir gern, welche Erfahrungen Ihr mit dem Finanzamt gemacht habt und welche Sendung Euch zuletzt zum Nachdenken gebracht hat.

Häufige Fragen

Warum braucht Deutschland eine Reform der Finanzverwaltung?

Weil die Regeln einseitig sind und junge Unternehmen darunter leiden. Wer zu spät abgibt, zahlt Zuschläge; wer einen falschen Bescheid per Einspruch korrigiert, bekommt seine Kosten nicht erstattet. Dazu kommen Kontenabrufe und Vollstreckung, bevor strittige Fragen geklärt sind.

Werden die Kosten eines Einspruchs gegen einen falschen Steuerbescheid erstattet?

Nein. Im Einspruchsverfahren trägt jede Seite ihre Kosten selbst, auch wenn der Einspruch Erfolg hat. Beraterkosten für das Vorverfahren werden nur erstattet, wenn der Fall vor dem Finanzgericht gewonnen wird und das Gericht die Hinzuziehung für notwendig erklärt.

Darf das Finanzamt meine Konten abfragen, ohne mich zu fragen?

Ja. Über das Bundeszentralamt für Steuern kann das Finanzamt abrufen, bei welchen Banken jemand Konten und Depots führt. 2023 fragte das Bundeszentralamt für Steuern laut Bundesregierung 169.901-mal für Finanzämter ab; über alle Behörden waren es rund 1,4 Millionen. Die Kontostände selbst sieht das Finanzamt dabei nicht, es erfährt Bank, Kontonummer und Inhaber.

Stoppt ein Einspruch die Pfändung durch das Finanzamt?

Nein. Ein Einspruch hemmt die Vollstreckung nicht. Dafür muss zusätzlich die Aussetzung der Vollziehung beantragt und gewährt werden.

Warum wird die Regierungsbildung in Deutschland schwieriger?

Weil die großen Parteien schrumpfen und mehr Fraktionen im Bundestag sitzen. Union und SPD kamen 1998 zusammen auf 76,1 Prozent der Zweitstimmen, 2025 auf 44,9 Prozent. 2017 dauerte es 171 Tage bis zur Kanzlerwahl.

Kann man GmbH-Anteile in Deutschland online übertragen?

Nein. Die Abtretung von GmbH-Anteilen muss nach § 15 GmbHG notariell beurkundet werden, die Videobeurkundung ist 2026 nur für die Gründung zugelassen. Bei 5 Millionen Euro Kaufpreis liegt die Beurkundungsgebühr bei 16.270 Euro netto.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt meine Meinung und meine Erfahrungen wieder und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Die genannten Vorschriften sind vereinfacht dargestellt, Stand 25. September 2026.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

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Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.

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