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Retouren nach dem Peak: Das unterschätzte Nachspiel im E-Commerce

Retouren nach dem Peak: Das unterschätzte Nachspiel im E-Commerce

Der Umsatz steht am 31. Dezember fest, die Marge nicht. Die zwei verbreiteten deutschen Retourenquoten liegen um den Faktor vier auseinander, weil eine von ihnen ihre Bezugsgröße nie genannt hat.

Die Rechnung des Weihnachtsgeschäfts wird im Januar geschrieben

Der Handel misst sein viertes Quartal am Umsatz. Der Umsatz steht Ende Dezember fest, die Marge nicht. Zwischen beiden liegt die Rücksendung, und sie kommt mit Verzögerung. Wer am 31. Dezember einen Rekord meldet, kennt sein Ergebnis noch nicht.

Für Deutschland rechnete Björn Asdecker von der Universität Bamberg für das Jahr 2025 mit 550 Millionen Retourenpaketen, gemeldet am 27. November 2025. Vier Jahre zuvor, für 2021, hatte dieselbe Forschungsgruppe knapp 530 Millionen Retourensendungen mit rund 1,3 Milliarden Artikeln ermittelt, veröffentlicht am 7. September 2022.

Zwischen diesen beiden Werten liegen vier Jahre und 3,8 Prozent. Auf das Jahr gerechnet ist das weniger als ein Prozent. Die Zahl wurde als Rekord gemeldet, und das ist sie auch. Sie beschreibt trotzdem eher Stillstand als Eskalation, denn der Onlinehandel selbst ist in diesen vier Jahren stärker gewachsen.

Die Zahl, die überall zitiert wird und nicht sagt, was sie meint

Wer nach der deutschen Retourenquote sucht, findet zwei Werte, die weit auseinanderliegen. Die Forschungsgruppe in Bamberg spricht davon, dass in Deutschland fast jedes vierte Paket zurückgeht. Der bevh nannte eine durchschnittliche Retourenquote von über sechs Prozent für Deutschland, gegenüber 3,8 Prozent im Auslandsgeschäft.

Das ist rund der Faktor vier. Beide Angaben stammen von seriösen Häusern. Sie messen nur nicht dasselbe, und das ist die eigentliche Nachricht.

Zwei Dinge muss man dazu wissen, und in der üblichen Wiedergabe fehlen beide. Erstens ist die Sechs-Prozent-Zahl alt. Sie stammt aus einer bevh-Mitteilung vom 12. Oktober 2020 und wird bis heute als aktuelle Quote weitergereicht. Zweitens nennt diese Mitteilung die Bezugsgröße nicht. Sie sagt, befragte Händler gäben durchschnittlich eine Retourenquote von über sechs Prozent an, und lässt offen, ob sich das auf Pakete, auf einzelne Artikel oder auf den Warenwert bezieht.

Diese Wahl entscheidet über die Höhe der Quote. Aus 1,3 Milliarden Artikeln in knapp 530 Millionen Paketen folgt, dass ein Retourenpaket im Schnitt 2,45 Artikel enthält. Ob man Pakete oder Artikel zählt, verändert das Ergebnis also um mehr als das Doppelte, und ob man den Warenwert nimmt, verschiebt es noch einmal, weil teure Ware anders zurückgeht als billige.

Wer aus einer solchen Zahl seine Logistik plant, plant nur ein Viertel des Aufkommens ein. Das ist die praktische Folge, und sie trifft im Januar zuerst die, die am wenigsten Puffer haben.

Warum Deutschland hier oben steht, und es nicht am Kunden liegt

Die Erklärung für die hohe deutsche Quote wird gern beim Verbraucher gesucht. Die Zahlen aus Bamberg zeigen etwas anderes. In der europäischen Händlerbefragung, veröffentlicht am 7. September 2022, standen für Deutschland gegen den übrigen EU-Durchschnitt:

  • 51,7 Tage durchschnittliche Rückgabefrist gegenüber 28,1 Tagen
  • 88,7 Prozent der Händler mit kostenloser Rücksendung gegenüber 52,4 Prozent
  • 28,8 Prozent Anteil Kauf auf Rechnung gegenüber 9,9 Prozent

Die deutsche Rückgabefrist ist damit rund 1,8-mal so lang wie die im übrigen EU-Raum. Alle drei Größen sind Entscheidungen von Händlern, nicht Eigenschaften von Kunden. Kauf auf Rechnung heißt, dass die Ware im Haus ist, bevor Geld geflossen ist; das senkt die Hürde für die Bestellung und damit auch die für die Rücksendung.

Der Kunde verhält sich also erwartbar innerhalb eines Rahmens, den der Handel selbst gesetzt hat. Damit liegt die Lösung beim Handel. An Kundengewohnheiten kommt ein einzelner Händler nicht heran, an seine eigene Rückgabefrist schon.

Was mit der zurückgeschickten Ware wirklich passiert

Über Retouren kursiert die Vorstellung, das Zeug lande auf dem Müll. Die Erhebung aus Bamberg widerspricht dem deutlich. Von den zurückgesandten Artikeln wurden 93,2 Prozent als neuwertig weiterverkauft und 1,3 Prozent direkt entsorgt, Stand der Veröffentlichung vom 7. September 2022.

Die 1,3 Prozent sind trotzdem keine Fußnote. Auf 1,3 Milliarden Artikel gerechnet sind das rund 17 Millionen Artikel, die vernichtet werden.

Die Umweltseite hängt ohnehin nicht an der Entsorgung, sondern am Transport. Die Forschungsgruppe rechnete je zurückgesandtem Artikel mit rund 1.500 Gramm CO2-Äquivalent und kam für Deutschland auf etwa 795.000 Tonnen im Jahr 2021. Der weit überwiegende Teil davon entsteht, während die Ware fährt und bearbeitet wird.

Was eine Retoure kostet, und warum die Zahl klein aussieht

Die Forschungsgruppe beziffert die durchschnittlichen Transport- und Bearbeitungskosten je zurückgesandtem Artikel auf 2,85 Euro. Das klingt beherrschbar. Auf 1,3 Milliarden Artikel hochgerechnet sind es rund 3,7 Milliarden Euro im Jahr.

Wichtiger als die Summe ist, was in den 2,85 Euro nicht steckt. Es sind Transport und Bearbeitung. Nicht enthalten sind der Wertverlust der Ware, die gebundene Fläche, das Kapital, das zwischen Versand und Wiedereinlagerung stillsteht, und der Umsatz, der in dieser Zeit nicht mit dem Artikel gemacht wird. Wer mit 2,85 Euro kalkuliert, kalkuliert die Logistik, nicht die Retoure.

Für die Praxis zählt deshalb, wie lange der Artikel unverkäuflich unterwegs ist. Im Januar ist das der Engpass, weil dann alles gleichzeitig zurückkommt und die Wiedereinlagerung zur Warteschlange wird.

Was ich daraus mitnehme, und was davon auch außerhalb des Handels gilt

Ich schreibe das nicht als Beobachter. Wir bauen mit Slabhit Live-Shopping für Sammelkarten, ein Format, in dem der Kunde die Ware vor dem Kauf im Bild sieht und in dem gefragt werden kann, bevor bestellt wird. Drei Dinge nehme ich aus den Zahlen mit.

Erstens: Die Quote ist die falsche Steuergröße. Sie lässt sich senken, indem man weniger verkauft. Was zählt, ist die Zeit, die ein Artikel zwischen Rücksendung und Wiederverkäuflichkeit verbringt, und die Zahl der Artikel, die dabei an Wert verlieren.

Zweitens: Die Ursachen liegen vor der Bestellung. Rückgabefrist, kostenlose Rücksendung und Zahlungsart sind eigene Entscheidungen. Wer die Retourenquote senken will, ohne an diesen drei Stellschrauben zu drehen, arbeitet an der Wirkung.

Drittens, und das gilt weit über den Handel hinaus: Jede Quote braucht ihren Nenner. Hinter dem Unterschied zwischen "jedes vierte Paket" und "über sechs Prozent" steckt eine unterschlagene Bezugsgröße. Die Frage nach dem Nenner kostet eine Minute und rettet eine Planung, und sie funktioniert bei Retouren genauso wie bei Konversionsraten, Fehlerquoten oder Marktanteilen.

Wie sich das vierte Quartal überhaupt aufbaut, steht in Warum das vierte Quartal über das Handelsjahr entscheidet, und was am Aktionswochenende passiert, in Black Friday und Cyber Monday. Fortlaufend schreibe ich dazu auf meiner Themenseite zu E-Commerce und Live-Commerce.

Häufige Fragen

Wie viele Retouren gibt es in Deutschland pro Jahr?

Björn Asdecker von der Universität Bamberg rechnete für 2025 mit 550 Millionen Retourenpaketen, gemeldet am 27. November 2025. Für 2021 hatte dieselbe Forschungsgruppe knapp 530 Millionen Retourensendungen mit rund 1,3 Milliarden Artikeln ermittelt. Zwischen beiden Werten liegen vier Jahre und 3,8 Prozent, also weniger als ein Prozent pro Jahr.

Wie hoch ist die Retourenquote in Deutschland?

Fast jedes vierte Paket geht zurück, so die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg. Die oft zitierten über sechs Prozent des bevh stammen aus einer Mitteilung vom 12. Oktober 2020, die ihre Bezugsgröße nicht nennt. Da ein Retourenpaket im Schnitt 2,45 Artikel enthält, verändert schon die Wahl zwischen Paketen und Artikeln das Ergebnis um mehr als das Doppelte.

Werden zurückgeschickte Waren vernichtet?

Weit überwiegend nicht. Nach der Erhebung der Universität Bamberg vom 7. September 2022 wurden 93,2 Prozent der zurückgesandten Artikel als neuwertig weiterverkauft und 1,3 Prozent direkt entsorgt. Auf 1,3 Milliarden Artikel gerechnet sind diese 1,3 Prozent trotzdem rund 17 Millionen Artikel.

Was kostet eine Retoure den Händler?

Die Universität Bamberg beziffert die durchschnittlichen Transport- und Bearbeitungskosten auf 2,85 Euro je zurückgesandtem Artikel. Nicht enthalten sind der Wertverlust der Ware, die gebundene Fläche, das stillstehende Kapital und der entgangene Umsatz während der Zeit, in der der Artikel nicht verkäuflich ist. Die 2,85 Euro sind die Logistikkosten, nicht die Kosten der Retoure.

Warum hat Deutschland die höchste Retourenquote in Europa?

Die Erhebung der Universität Bamberg nennt drei Größen, die alle Entscheidungen von Händlern sind: eine durchschnittliche Rückgabefrist von 51,7 Tagen gegenüber 28,1 Tagen im übrigen EU-Raum, 88,7 gegenüber 52,4 Prozent kostenlose Rücksendungen und einen Anteil von 28,8 gegenüber 9,9 Prozent beim Kauf auf Rechnung. Der Kunde verhält sich innerhalb eines Rahmens, den der Handel selbst gesetzt hat.

Wie belastet eine Retoure die Umwelt?

Die Forschungsgruppe rechnete mit rund 1.500 Gramm CO2-Äquivalent je zurückgesandtem Artikel und kam für Deutschland auf etwa 795.000 Tonnen im Jahr 2021. Der weit überwiegende Teil entsteht durch Transport und Bearbeitung, nicht durch Entsorgung.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.

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