Ab 2027 zahlt der Bund für jedes Kind vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr zehn Euro im Monat in ein Depot. Die einen sagen, das sei zu wenig, die anderen rechnen mit sieben Prozent bis 65 und kommen auf eine große Zahl. Beide wählen eine Annahme und nennen das Ergebnis. Ich habe es mit drei Annahmen gerechnet: 18.921, 31.309 oder 51.617 Euro. Der eigentliche Befund liegt woanders.
Zehn Euro im Monat, und was daraus wirklich wird
Das Bundeskabinett hat den Regierungsentwurf zur Frühstartrente am 12. August 2026 beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 zahlt der Bund für jedes Kind vom vollendeten sechsten bis zum 18. Lebensjahr zehn Euro im Monat in ein individuelles Depot, beginnend mit dem Geburtsjahrgang 2020. Ausgezahlt wird frühestens mit 65.
Zehn Euro klingen nach wenig, und die Hälfte der Kommentare sagt genau das. Die andere Hälfte rechnet mit sieben Prozent bis zum 65. Lebensjahr und kommt auf eine Zahl, die nach Vermögensaufbau aussieht. Beide Lager rechnen nicht, sie wählen eine Annahme und nennen das Ergebnis.
Ich habe es für drei Szenarien durchgerechnet. Das Ergebnis ist interessanter als beide Lager: Die staatliche Leistung selbst ist klein. Was sie auslöst, ist es nicht. Den Überblick über die gesamte Reform habe ich in Das Altersvorsorgedepot aufgeschrieben.
Die Rechnung: 1.440 Euro vom Staat, 47 Jahre Zeit
Der Bund zahlt zwölf Jahre lang je 120 Euro. Das sind 1.440 Euro insgesamt. Entscheidend ist danach nicht die Summe, sondern die Liegezeit: 47 Jahre vom 18. bis zum 65. Lebensjahr, in denen nichts mehr hinzukommt und der Zinseszins allein arbeitet.
Gerechnet mit 120 € im Jahr über 12 Jahre, eingezahlt jeweils am Jahresende, vom vollendeten sechsten bis zum 18. Lebensjahr. Danach 47 Jahre liegen lassen, ohne weitere Einzahlung. Eingezahlt hat der Bund insgesamt 1.440 €. Vor Kosten, vor Steuern, vor Inflation.
Die Spannweite ist der eigentliche Befund. Zwischen fünf und sieben Prozent liegt der Faktor 2,7. Wer eine dieser drei Zahlen als "das Ergebnis" nennt, verschweigt, dass die Annahme das Ergebnis erzeugt hat und nicht die Politik.
Alle drei Zahlen stehen vor Kosten, vor Steuern und vor Inflation, ein Punkt, der in fast jeder Rechnung fehlt. Bei 47 Jahren Laufzeit ist besonders der letzte Punkt keine Kleinigkeit. Was 31.309 Euro im Jahr 2091 wert sind, ist eine ganz andere Frage als ihre nominale Höhe.
Warum die Zuzahlung die eigentliche Nachricht ist
Interessant wird die Konstruktion erst durch das, was Eltern und später das Kind selbst dazulegen dürfen. Denn dann trifft ein kleiner regelmäßiger Betrag auf eine Laufzeit, die es sonst in keinem Produkt gibt.
Gerechnet mit 6 Prozent im Jahr, sonst wie oben. Der Unterschied entsteht nicht durch die staatliche Leistung, sondern durch die Zuzahlung und die Zeit, die sie hat.
25 Euro im Monat von den Eltern, also der Preis eines Streamingdienstes, machen aus 31.309 Euro rund 109.582 Euro. Der Unterschied entsteht nicht durch die staatliche Leistung, sondern durch die Zuzahlung und dadurch, dass sie sehr früh anfängt.
Die Entscheidung, die Eltern früher treffen müssen als gedacht
Wer bis zum Start kein Depot eröffnet, dessen Kind wird kollektiv durch die Bundesbank angelegt. Das ist ausdrücklich keine schlechte Lösung, und für viele Familien wird sie die richtige sein. Aber es ist eine Entscheidung, die dann jemand anders trifft.
Der praktische Punkt daran ist die Zuzahlung. In der kollektiven Anlage lässt sich nicht ohne Weiteres zusätzlich einzahlen. Die Zuzahlung ist aber laut der Rechnung oben das, was aus dem Programm mehr macht als eine symbolische Geste. Wer also zuzahlen will, braucht ein eigenes Depot, und der Zeitpunkt dafür liegt früher als der 18. Geburtstag.
Zwei Dinge gehören in dieselbe Überlegung, auch wenn sie unbequem sind. Erstens: Das Geld ist bis 65 gebunden, es steht also nicht für Ausbildung, Führerschein oder erste Wohnung zur Verfügung. Wer für diese Zwecke spart, braucht ein zweites, freies Depot. Zweitens: Ob ein Kind mit 65 Jahren froh über diese Bindung ist, weiß heute niemand.
Was das den Bund kostet, und was daran auffällt
Die Ausgaben des Bundes beginnen 2027 bei 198 Millionen Euro und steigen bis 2030 auf 411 Millionen. Im Vollausbau, wenn alle Jahrgänge von sechs bis achtzehn im Programm sind, liegen sie bei rund einer Milliarde Euro im Jahr.

Eine Milliarde ist gemessen am Bundeshaushalt ein kleiner Posten. Gemessen an dem, was damit ausgelöst wird, ist es einer der wirksameren: Der Staat kauft für rund eine Milliarde im Jahr nicht in erster Linie Altersvorsorge, sondern die flächendeckende Eröffnung von Wertpapierdepots für eine ganze Generation. In einem Land mit traditionell niedriger Aktionärsquote ist das der eigentliche Vorgang.
Was das für die Anbieterseite bedeutet, habe ich in Was ein Kostendeckel von einem Prozent mit einem Markt macht beschrieben. Kurz gesagt: Millionen sehr kleiner Depots sind unter einer Kostenobergrenze von einem Prozent nur automatisiert oder gebündelt zu bedienen.
Was noch offen ist
Der Regierungsentwurf ist beschlossen, das Gesetz ist er nicht. Das parlamentarische Verfahren soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Bis dahin können sich Details ändern, und die Details entscheiden hier viel: welche Anlageformen zugelassen sind, wie die Zuzahlung praktisch funktioniert und wie die Auszahlung mit 65 besteuert wird.
Offen ist auch die Frage, die mich am meisten interessiert: Wie viele Eltern werden tatsächlich zuzahlen? Die gesamte Wirkung dieses Programms hängt daran, und es gibt dafür keinen Erfahrungswert, weil es so etwas in Deutschland noch nie gab.
Meine laufende Einordnung sammle ich unter Krypto und Finanzen.
Dieser Beitrag ist eine unternehmerische Einordnung der Gesetzeslage und keine Anlage- oder Steuerberatung. Für die Beurteilung des eigenen Falls ist fachlicher Rat einzuholen.
Häufige Fragen
Was ist die Frühstartrente?
Der Bund zahlt ab dem 1. Januar 2027 für jedes Kind vom vollendeten sechsten bis zum 18. Lebensjahr zehn Euro im Monat in ein individuelles Altersvorsorgedepot, beginnend mit dem Geburtsjahrgang 2020. Das Kabinett hat den Regierungsentwurf am 12. August 2026 beschlossen. Ausgezahlt wird frühestens mit 65.
Wie viel wird aus der Frühstartrente bis zur Rente?
Das hängt vollständig von der Renditeannahme ab, und das wird meist verschwiegen. Nach eigener Rechnung ergeben zwölf Jahre à 120 Euro bis zum 65. Lebensjahr rund 18.921 Euro bei 5 Prozent, 31.309 Euro bei 6 Prozent und 51.617 Euro bei 7 Prozent. Alle drei Werte stehen vor Kosten, Steuern und Inflation.
Wie viel zahlt der Staat insgesamt je Kind ein?
1.440 Euro. Das sind zwölf Jahre mal 120 Euro im Jahr. Alles Weitere entsteht durch die Verzinsung über die anschließenden 47 Jahre bis zum 65. Lebensjahr, in denen nichts mehr eingezahlt wird.
Können Eltern zusätzlich einzahlen?
Ja, und nach der Rechnung ist das der entscheidende Faktor. 25 Euro im Monat zusätzlich machen bei 6 Prozent aus rund 31.309 Euro etwa 109.582 Euro bis zum 65. Lebensjahr. Der Unterschied entsteht nicht durch die staatliche Leistung, sondern durch die Zuzahlung und den frühen Start.
Was passiert, wenn ich kein Depot für mein Kind eröffne?
Dann wird das Kapital kollektiv durch die Bundesbank angelegt. Das ist keine schlechte Lösung, aber es ist eine Entscheidung, die dann jemand anders trifft. Praktisch relevant ist vor allem, dass sich in der kollektiven Anlage nicht ohne Weiteres zusätzlich einzahlen lässt.
Was kostet die Frühstartrente den Bund?
198 Millionen Euro im Jahr 2027, steigend auf 411 Millionen Euro bis 2030. Im Vollausbau, wenn alle Jahrgänge von sechs bis achtzehn erfasst sind, sind es rund eine Milliarde Euro im Jahr.
Kann mein Kind das Geld vor der Rente nutzen?
Nein, das Kapital ist bis zum 65. Lebensjahr gebunden. Für Ausbildung, Führerschein oder die erste Wohnung steht es nicht zur Verfügung. Wer für solche Zwecke sparen will, braucht dafür ein zweites, freies Depot.
Herzlich,
Euer Dennis Weidner
Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.




