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Live-Shopping für Sammelkarten: Whatnot, eBay Live, TikTok Shop und Voggt im Vergleich

Live-Shopping für Sammelkarten: Whatnot, eBay Live, TikTok Shop und Voggt im Vergleich

Innerhalb von drei Jahren sind vier neue Plattformen in den deutschen Sammelkartenmarkt eingetreten, eine davon wurde von einem US-Konzern gekauft. Was Verkäufer an allen kritisieren, ist erstaunlich einheitlich und technisch leicht zu lösen. Genau daraus ist unser eigenes Vorhaben entstanden.

Live-Shopping-Plattformen für Sammelkarten in Deutschland

Wer in Deutschland Sammelkarten verkaufen will, hatte 2023 im Wesentlichen eine Adresse. Heute hat er die Wahl, und die Liste ist in erstaunlich kurzer Zeit entstanden.

Zeitstrahl: Markteintritte der Live-Shopping-Plattformen für Sammelkarten in Deutschland
Eintritte in den deutschen Markt nach Unternehmensangaben und Pressemitteilungen, zusammengetragen am 08.08.2026. Cardmarket ist kein Live-Anbieter, steht hier aber als Referenzpunkt für den Bestandsmarkt.

Der Reihe nach. Cardmarket ist seit 2007 da und ist kein Live-Anbieter, sondern der Katalog-Marktplatz, an dem sich der europäische Kartenpreis bildet. Voggt wurde 2021 in Frankreich gegründet, war in Europa Marktführer im Live-Verkauf von Sport-Collectibles und Sammelkarten und gehört seit dem 3. Oktober 2024 zu Fanatics Live. TikTok Shop ist im März 2025 in Deutschland gestartet. eBay Live folgte am 29. November 2025, mit einem Auftakt auf der Comic Con in Stuttgart und ausgerechnet einem Kartenhändler als erstem Stream. Und Whatnot hat am 7. August 2026 eine Runde über 545 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 20 Milliarden abgeschlossen.

Das ist keine Nische mehr, das ist ein Verteilungskampf. Und die interessante Frage ist nicht, wer gewinnt, sondern was in diesem Kampf gerade niemand macht.

Voggt und Fanatics Live: was die Übernahme bedeutet

Der Fanatics-Kauf ist der Vorgang, über den in Deutschland am wenigsten geredet wurde und der am meisten aussagt. Fanatics ist ein amerikanischer Konzern für Sport-Merchandise und Sammlerstücke. Mit Voggt hat sich der Konzern nicht in einen Markt eingekauft, sondern eine fertige europäische Nutzerbasis übernommen, nach Angaben zum Zeitpunkt der Übernahme über eine halbe Million Mitglieder.

Für Verkäufer heißt so etwas immer dasselbe: Die Entscheidungen über die Plattform, auf der sie ihr Geschäft aufgebaut haben, werden ab jetzt woanders getroffen. Nicht schlechter, nicht besser, aber woanders. Die Prioritäten eines Konzerns mit Schwerpunkt Sport-Collectibles sind nicht automatisch die eines deutschen Pokémon-Händlers.

Und es setzt den Maßstab für alles, was danach kam. Wenn der europäische Marktführer für Live-Verkauf von Sammelkarten binnen drei Jahren an einen US-Konzern geht, dann ist die Frage für jeden neuen Anbieter nicht mehr, ob es Kapital in diesem Markt gibt. Die Frage ist, was man baut, das nicht davon abhängt.

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Whatnot, eBay Live, TikTok Shop: das Muster hinter den Wachstumszahlen

Mir ist beim Zusammentragen dieser Landkarte etwas aufgefallen, das ich vorher für einen Einzelfall gehalten hatte. Alle diese Plattformen kommunizieren ihre Größe in Wachstumsraten, fast nie in absoluten Zahlen.

Whatnots eigener Europa-Bericht nennt eine um 600 Prozent gewachsene Verkäuferzahl, ohne die Ausgangsbasis zu nennen. eBay Live wirbt mit dem Achtfachen, und selbst wohlwollende Beobachter merken an, dass sich die tatsächliche Größe daraus nicht ableiten lässt. TikTok Shop veröffentlicht für Deutschland ohnehin kaum belastbare Kategorie-Zahlen.

Ich unterstelle niemandem Absicht. Es ist branchenüblich, und niemand ist verpflichtet, Länderzahlen offenzulegen. Aber wer als Verkäufer entscheiden muss, wo er seine Zeit investiert, bekommt aus diesen Berichten keine Antwort auf die einzige Frage, die zählt: Wie viele Zuschauer sehen meinen Stream, wenn ich Dienstagabend live gehe? Diese Zahl steht nirgends, und deshalb entscheidet am Ende die Erfahrung anderer Händler.

Was Verkäufer an Live-Shopping-Plattformen kritisieren

Genau diese Erfahrungen kann man nachlesen. Ich verfolge die einschlägigen Händlerforen und rede mit Leuten, die auf diesen Plattformen verkaufen. Fünf Punkte kommen immer wieder, plattformübergreifend.

Übersicht: fünf wiederkehrende Kritikpunkte von Verkäufern an Live-Shopping-Plattformen
Eigene Auswertung wiederkehrender Berichte aus Händlerforen und Gesprächen, Stand 08.08.2026. Das sind Erfahrungsberichte einzelner Händler und keine erhobenen Zahlen. Sie erlauben keine Aussage darüber, wie häufig ein Problem auftritt.

Der Support antwortet nicht. Das ist mit Abstand der häufigste Punkt, und er trifft besonders TikTok Shop. Ein Ticket verschwindet, es gibt keinen benannten Ansprechpartner und keine zugesagte Frist. Für einen Händler, dessen Auszahlung hängt oder dessen Konto eingeschränkt wurde, ist das existenziell.

Ohne Featuring passiert nichts. Wer nicht auf der Startseite ausgespielt wird, hat keine Zuschauer, und wer ausgespielt wird, entscheidet ein Algorithmus oder ein Team der Plattform. Das ist keine Böswilligkeit, es ist die Natur eines Marktplatzes mit begrenzter Aufmerksamkeit. Aber es bedeutet: Der Händler baut sein Geschäft auf einer Sichtbarkeit auf, die ihm nicht gehört.

Rechnungen sind ein Dauerthema. Keine Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer, keine saubere Abrechnung zum Herunterladen, Buchhaltung als Handarbeit. Bei TikTok Shop ist unter deutschen Händlern sogar ein Fall dokumentiert, in dem importierte Bestellungen mit null Prozent Umsatzsteuer ankamen. Wer gewerblich verkauft, kann so etwas nicht abwarten, er braucht es korrekt.

Fälschungen. Plagiate im Angebot, unklare Prüfung, und am Ende trägt der ehrliche Händler den Schaden, weil das Vertrauen der ganzen Kategorie leidet. In einem Markt, in dem eine gefälschte Karte optisch von einer echten kaum zu unterscheiden ist, ist das keine Randfrage.

Daten. Wem gehören die Kundendaten, was passiert mit den Verkaufsdaten, und was bleibt davon, wenn der Händler die Plattform verlässt? Bei einer Plattform aus dem außereuropäischen Raum kommt die Frage nach dem Datenschutz noch dazu.

Ich will das fair einordnen: Das sind Erfahrungsberichte, keine Statistik. Sie sagen nichts darüber, wie häufig ein Problem auftritt, und sie stammen naturgemäß eher von Unzufriedenen. Aber sie sind konsistent, sie sind plattformübergreifend, und sie beschreiben alle dasselbe: nicht ein Produktproblem, sondern ein Betreuungsproblem.

Warum diese Lücke offen bleibt

Der entscheidende Punkt an diesen fünf Beschwerden ist, dass keine davon technisch schwer zu lösen ist. Eine Rechnung mit korrekt ausgewiesener Umsatzsteuer ist Standardsoftware. Ein benannter Ansprechpartner ist eine Organisationsentscheidung. Nachvollziehbare Regeln für Sichtbarkeit sind eine Frage der Offenheit, nicht der Technik. Ein Datenexport ist ein Nachmittag Arbeit.

Warum passiert es dann nicht? Weil es sich für eine Plattform, die in zwölf Ländern gleichzeitig wächst, schlicht nicht rechnet. Der Aufwand, deutsche Rechnungsanforderungen sauber zu lösen, ist derselbe, egal ob dahinter dreihundert oder dreißigtausend Händler stehen. Bei dreihundert lohnt es sich für den Konzern nicht, für den spezialisierten Anbieter aber sehr wohl, weil es sein ganzer Markt ist.

Das ist die Lücke. Sie liegt nicht im Feature-Wettlauf, sie liegt in der Betreuung. Und sie ist genau deshalb offen, weil sie sich für die Großen nicht rechnet.

Wie daraus Slabhit wurde: hundert Tage bis zur laufenden Plattform

Wir haben Anfang dieses Jahres angefangen, das zu konzipieren. Nicht als Reaktion auf eine Finanzierungsrunde, sondern aus derselben Beobachtung: Der Markt existiert, die Kategorie ist bewiesen, und die Sorgfalt fehlt.

Was mich selbst überrascht hat, ist das Tempo. Von der ersten Konzeptseite bis zu einer laufenden Instanz mit eigenem Code lagen rund hundert Tage. Nach meiner Einschätzung, und ich habe genug Projekte begleitet, um sie einordnen zu können, hätte dasselbe vor drei Jahren ein Team von zehn bis fünfzehn Entwicklern und einen Millionenbetrag gebraucht. Gebaut haben es agentische Systeme, gesteuert von wenigen Menschen, die wissen, was sie wollen.

Ich schreibe das nicht, um mit einer Zahl anzugeben. Ich schreibe es, weil es die eigentliche Nachricht in diesem ganzen Text ist: Die Eintrittsschwelle in diesen Markt ist gerade dramatisch gefallen, während die Bewertungen der Etablierten steigen. Das ist eine ungewöhnliche Kombination, und sie hält nicht ewig. Wie ich mit diesen Werkzeugen arbeite, habe ich in Website-Relaunch mit KI-Agenten aufgeschrieben.

Marktanteile gewinnen: warum das beste Produkt eine Chance hat

Der übliche Einwand lautet: Nettes Produkt, aber der Vertrieb entscheidet, und den hat der Große. Stimmt in vielen Märkten. Es stimmt nur nicht immer.

Ich beobachte das gerade an einer Stelle, die mit Sammelkarten nichts zu tun hat und die ich täglich benutze. Bei den KI-Werkzeugen war der erste Anbieter jahrelang der selbstverständliche, und der Wettbewerber, der später kam, ist heute in genau dem Bereich vorn, in dem ich arbeite. Nicht wegen des größeren Budgets, sondern weil das Produkt an der Stelle besser wurde, an der es zählt. Später starten ist kein Nachteil, wenn man den Vorsprung an der richtigen Stelle sucht.

Übertragen auf diesen Markt: Niemand wechselt die Plattform wegen eines schöneren Buttons. Aber Händler wechseln, wenn ihnen jemand die drei Dinge abnimmt, die sie täglich ärgern. Wer heute auf einer großen Plattform verkauft und dort seit Wochen auf eine Antwort wartet, ist kein loyaler Kunde. Er ist ein Kunde, der noch keine Alternative hat.

Slabhit Start im September: Kickoff-Show und Beta-Tester

Wir starten Slabhit im September, und zwar bewusst klein: mit einer Kickoff-Show im Rahmen des dreißigsten Jahres der Sammlung, zusammen mit Verkäufern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Kein Massenstart, sondern ein Abend, an dem die Leute dabei sind, die diesen Markt tragen.

Das ist eine bewusste Entscheidung. Eine Live-Plattform ohne Verkäufer ist eine leere Bühne, und Verkäufer kommen nicht wegen einer Ankündigung, sondern weil jemand, dem sie vertrauen, dort schon steht. Deshalb bauen wir zuerst die Runde und dann die Reichweite, nicht umgekehrt.

Und bis dahin suchen wir weiter Beta-Tester. Wer Karten sammelt oder verkauft und Lust hat, vor dem Start draufzuschauen, meldet sich am besten direkt. Es geht dabei nicht um Applaus, sondern um die unbequemen Sätze: was fehlt, was nervt, was man auf den anderen Plattformen besser gelöst findet. Genau daraus entsteht der Unterschied, um den es in diesem Text die ganze Zeit geht.

Über den Markt insgesamt und darüber, wohin sich der Handel gerade verschiebt, schreibe ich fortlaufend auf meiner Themenseite zu E-Commerce und Live-Commerce.

Häufige Fragen

Welche Live-Shopping-Plattformen gibt es in Deutschland für Sammelkarten?

Vier plus den Bestandsmarkt. Voggt ist seit 2021 aktiv und gehört seit dem 3. Oktober 2024 zu Fanatics Live. TikTok Shop startete im März 2025 in Deutschland, eBay Live am 29. November 2025 auf der Comic Con Stuttgart. Whatnot ist der größte Anbieter und wurde am 7. August 2026 mit 20 Milliarden Dollar bewertet. Dazu kommt Cardmarket, das kein Live-Anbieter ist, aber seit 2007 den europäischen Kartenpreis bestimmt.

Wem gehört Voggt?

Fanatics Live, der Live-Commerce-Sparte des amerikanischen Sport-Collectibles-Konzerns Fanatics. Die Übernahme der Voggt-Assets wurde am 3. Oktober 2024 bekannt gegeben. Voggt war 2021 in Frankreich gegründet worden und hatte nach damaligen Angaben über eine halbe Million Mitglieder.

Wann ist eBay Live in Deutschland gestartet?

Am 29. November 2025, mit einem Auftakt auf der Comic Con in Stuttgart. Die ersten Kategorien waren Sammlerstücke und Raritäten sowie Kleidung und Accessoires, weitere sollten 2026 folgen. Der erste Livestream kam von einem Kartenhändler mit einer kuratierten Pokémon-Auswahl.

Was kritisieren Verkäufer an den großen Plattformen?

Fünf Punkte kommen plattformübergreifend immer wieder: Support, der nicht antwortet; fehlende Sichtbarkeit ohne Featuring auf der Startseite; keine Rechnungen mit ausgewiesener Umsatzsteuer; Fälschungen im Angebot; und Unklarheit darüber, wem die Kunden- und Verkaufsdaten gehören. Das sind Erfahrungsberichte aus Foren und Gesprächen, keine erhobenen Zahlen.

Warum lösen die großen Plattformen diese Probleme nicht?

Weil sich der Aufwand für sie nicht rechnet. Deutsche Rechnungsanforderungen sauber umzusetzen kostet dasselbe, egal ob dreihundert oder dreißigtausend Händler dahinterstehen. Für einen Konzern, der in vielen Ländern gleichzeitig wächst, ist das eine Aufgabe unter vielen. Für einen spezialisierten Anbieter ist es der ganze Markt.

Wann startet Slabhit?

Im September 2026, bewusst klein mit einer Kickoff-Show im Rahmen des dreißigsten Jahres der Sammlung, gemeinsam mit Verkäufern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bis dahin suchen wir weiter Beta-Tester, die vor dem Start draufschauen und sagen, was fehlt.

Kann ein kleiner Anbieter gegen eine 20-Milliarden-Plattform bestehen?

Nicht über den Preis und nicht über Reichweite, aber über Betreuung. Keine der wiederkehrenden Beschwerden ist technisch schwer zu lösen: Eine korrekte Rechnung ist Standardsoftware, ein benannter Ansprechpartner eine Organisationsentscheidung, ein Datenexport ein Nachmittag Arbeit. Dazu kommt, dass die Eintrittsschwelle gefallen ist: Unsere laufende Instanz stand nach rund hundert Tagen, gebaut von agentischen Systemen statt von einem Team, das es früher gebraucht hätte.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

Aus unserem Ökosystem: Weidner Ventures. Beteiligungen und operative Unterstützung für Unternehmen in Energie, Finanzen und Commerce. Zur Website →

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