← Zurück zum Blog
Blog · Commerce

Sind Sammelkarten eine Anlageklasse? Was dran ist, und was nicht

Sind Sammelkarten eine Anlageklasse? Was dran ist, und was nicht

Im Februar 2026 hat eine einzige Pokémon-Karte für 16,49 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Gleichzeitig tauchen Sammelkarten in Portfolios auf, es gibt Fonds, Preisindizes und Datenbanken, die diesen Markt vermessen wie eine Börse. Ist das eine ernstzunehmende Anlageklasse oder eine Blase mit schönen Bildern? Ich habe mir die Zahlen angeschaut, aus Unternehmersicht, ohne Hype und ohne Häme.

Vorweg zur Transparenz: Ich habe ein berufliches Interesse an dem Thema, weil ich mit Slabhit im Umfeld von Sammlern und Raritäten baue. Gerade deshalb versuche ich, ehrlich zu bleiben, auch wenn es unbequem ist. Wer in diesem Markt arbeitet, hat kein Interesse an einer Blase, sondern an einem gesunden Hobby, das noch in zwanzig Jahren lebt.

Lass uns in Kontakt bleiben. Meine besten Einblicke zu Energie, Finanzen, Commerce und KI – direkt aus dem Maschinenraum. Kein Spam, jederzeit kündbar.

Ein Markt, der zu groß für Häme geworden ist

Fangen wir mit der Größenordnung an, denn die überrascht viele. Der globale Markt für Trading Cards soll laut Grand View Research bis 2033 auf knapp 54 Milliarden US-Dollar wachsen, mit einer erwarteten jährlichen Wachstumsrate von 7,7 Prozent. Das ist kein Nischenhobby mehr, das ist eine Industrie mit eigener Infrastruktur: Auktionshäuser, Bewertungsdienste, Datenanbieter, Marktplätze, Tresorlager.

Noch deutlicher wird es bei der professionellen Zustandsbewertung, dem sogenannten Grading. 2025 wurden branchenweit rund 26,8 Millionen Karten bewertet, ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Allzeitrekord, wie Branchendaten zeigen. Wer solche Volumina sieht, versteht, warum auch institutionelles Geld inzwischen hinschaut. Aber Größe allein macht noch keine Anlageklasse. Dafür braucht es mehr, und genau das prüfen wir jetzt.

Was für Sammelkarten als Anlage spricht

Sammelkarten haben Eigenschaften, die Anleger grundsätzlich schätzen. Sie sind knapp, manche Auflagen existieren nur wenige Dutzend oder wenige tausend Mal, und diese Knappheit lässt sich nicht nachdrucken, ohne den Wert der Marke zu zerstören. Sie sind emotional aufgeladen, was die Nachfrage über Generationen stabil hält. Und sie hängen nur lose an Aktien oder Anleihen, was sie theoretisch zur Streuung eignet.

Die Spitzenstücke haben zudem eine Wertentwicklung hingelegt, die man ernst nehmen muss. Das beste Beispiel ist der Pikachu Illustrator in der Bestnote PSA 10: Logan Paul hat die Karte 2021 in einem privaten Deal für umgerechnet 5,275 Millionen Dollar erworben. Im Februar 2026 wurde genau diese Karte bei Goldin für 16,49 Millionen Dollar versteigert, ein Weltrekord, über den unter anderem CNN berichtet hat. Mehr als eine Verdreifachung in knapp fünf Jahren, das schafft kaum ein anderes Sammelgebiet. Nur: Ein einzelnes Trophäenstück ist keine Marktstatistik. Es ist der Gipfel, nicht das Gelände.

Der Härtetest: Boom und Bust von 2021 bis 2023

Wie sich das Gelände verhält, hat der letzte Zyklus schonungslos gezeigt. Der CL50, ein Index des Datenanbieters Card Ladder über wichtige Sammelkarten, ist zwischen 2019 und März 2021 um 337 Prozent gestiegen. Danach kam die Ernüchterung: minus 23 Prozent im Jahr 2022, weitere minus 9 Prozent im Jahr 2023, wie Sports Illustrated auf Basis der Card-Ladder-Daten nachzeichnet. Wer im Hype auf dem Höchststand gekauft hat, saß jahrelang auf dicken Buchverlusten.

Ein breiter Aktienindex schwankt auch, keine Frage. Aber hinter Aktien stehen Unternehmensgewinne und Dividenden, die Kurse langfristig tragen. Hinter einer Karte steht ausschließlich die Erwartung, dass später jemand mehr zahlt. Wenn diese Erwartung kippt, gibt es keinen inneren Wert, der den Fall bremst. Genau deshalb waren die Ausschläge im Kartenmarkt so brutal, nach oben wie nach unten.

Die fünf Kriterien einer echten Anlageklasse

Ob etwas eine Anlageklasse ist, entscheidet nicht der Preis des teuersten Stücks, sondern die Struktur des Marktes. Ich gehe die Kriterien einzeln durch.

Liquidität. Hier hakt es am meisten. Eine gefragte Karte in Topzustand verkaufst du schnell, eine mittelmäßige in schwacher Phase kaum. In einer Krise kann der Markt für teure Einzelstücke praktisch austrocknen. Wer kurzfristig an sein Geld muss, verkauft dann mit hohem Abschlag oder gar nicht.

Bewertbarkeit. Die ist besser geworden. Grading-Noten, Verkaufsdatenbanken und Indizes machen Preise transparenter als je zuvor. Trotzdem bleibt jede Karte ein Unikat aus Auflage, Zustand und Nachfrage, es gibt keinen fairen Wert wie bei einer Anleihe, nur Vergleichspreise.

Kosten und Lagerung. Karten werfen keine Zinsen und keine Dividende ab, sie kosten stattdessen laufend Geld: Grading-Gebühren, Versicherung, sichere Lagerung, dazu spürbare Handelsspannen und Auktionsgebühren bei jedem Verkauf. Diese Kosten muss die Wertsteigerung erst einmal wieder hereinholen.

Marktzyklen. Der Markt ist stark von Moden und Popkultur getrieben. Ein Jubiläum, ein Netflix-Hit oder ein prominenter Sammler können Preise treiben, das Abflauen derselben Welle drückt sie wieder. Der Zyklus 2021 bis 2023 war kein Betriebsunfall, sondern das Wesen dieses Marktes.

Fälschungsrisiko. Wo hohe Preise sind, sind Fälscher. Gefälschte Karten, manipulierte Hüllen, aufbereitete Oberflächen, all das existiert. Ohne verlässliche Echtheitsprüfung ist jeder hohe Preis Spekulation auf Treu und Glauben.

Grading als Wert-Infrastruktur

Beim letzten Punkt liegt zugleich die wichtigste Entwicklung des Marktes. Bewertungsdienste wie PSA oder CGC zertifizieren Echtheit und Zustand und machen aus einem subjektiven Liebhaberobjekt ein standardisiert beschreibbares Gut. Allein PSA hat 2025 rund 19,26 Millionen Karten bewertet, etwa 72 Prozent des gesamten Grading-Markts. Bemerkenswert dabei: Gaming-Karten wie Pokémon haben beim Grading-Volumen erstmals die Sportkarten überholt.

Grading ist damit das, was Wirtschaftsprüfer und Ratingagenturen für Wertpapiere sind: eine Vertrauensschicht, ohne die kein liquider Handel entsteht. Genau auf dieser Schicht bauen auch neue Verkaufsformate auf, vom Marktplatz bis zum Live-Shopping, wo Karten vor laufender Kamera geöffnet, gezeigt und verkauft werden. Warum ich diese Verbindung aus Vertrauen, Unterhaltung und Handel für so kraftvoll halte, habe ich auf meiner Seite zu E-Commerce und Live-Commerce beschrieben.

Meine ehrliche Einordnung

Sind Sammelkarten also eine Anlageklasse? Meine Antwort: Sie sind auf dem Weg dorthin, aber sie sind kein Ersatz für die Basics. Für Kenner, die den Markt seit Jahren verfolgen, Auflagen und Zustände lesen können und mit Leidenschaft dabei sind, können Karten eine kleine Beimischung im Vermögen sein, mit Geld, dessen Totalverlust sie verkraften würden. Als Fundament der Altersvorsorge taugen sie nicht, dafür sind Liquidität, Kosten und Zyklen zu unberechenbar. Und damit das klar ist: Das hier ist keine Anlageberatung, sondern meine persönliche Einordnung als Unternehmer und Sammler.

Wer eine Karte kauft, weil er sie liebt, macht ohnehin alles richtig, denn die eigentliche Rendite des Sammelns ist die Freude und die Gemeinschaft dahinter. Warum genau dieses Vertrauen zwischen Menschen der eigentliche Wert ist, beschreibe ich in Vertrauen als Geschäftsmodell. Wer sammelt, gewinnt immer. Wer nur spekuliert, gewinnt manchmal.

Häufige Fragen

Sind Sammelkarten eine sichere Geldanlage?

Nein. Sammelkarten werfen keine laufenden Erträge ab, der Markt ist eng, kostenintensiv und stark von Moden getrieben. Der Card-Ladder-Index CL50 hat nach dem Boom bis März 2021 in den Jahren 2022 und 2023 zusammen über 30 Prozent verloren. Für Kenner können Karten eine kleine Beimischung sein, eine Basis für den Vermögensaufbau sind sie nicht.

Wie groß ist der Markt für Sammelkarten?

Grand View Research erwartet, dass der globale Trading-Card-Markt bis 2033 auf knapp 54 Milliarden US-Dollar wächst, bei rund 7,7 Prozent jährlichem Wachstum. 2025 wurden zudem branchenweit etwa 26,8 Millionen Karten professionell bewertet, ein Allzeitrekord.

Was ist die teuerste Sammelkarte der Welt?

Der Pikachu Illustrator in der Bestnote PSA 10. Logan Paul hat die Karte 2021 für 5,275 Millionen Dollar erworben, im Februar 2026 wurde sie bei Goldin für 16,49 Millionen Dollar versteigert, ein Auktionsweltrekord für Trading Cards.

Warum ist Grading für den Wert einer Karte so wichtig?

Grading-Dienste wie PSA oder CGC zertifizieren Echtheit und Zustand und machen Karten dadurch vergleichbar und handelbar. Sie senken das Fälschungsrisiko und schaffen die Vertrauensbasis, ohne die hohe Preise und liquider Handel nicht funktionieren. Allein PSA hat 2025 rund 19,26 Millionen Karten bewertet.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

Aus unserem Ökosystem: Slabhit. Live-Auktionen für Sammelkarten und Collectibles, made in Germany. Wir bauen es gerade – Beta-Tester sind willkommen. Early Access sichern →

Weiterlesen

Warum Live-Shopping fesselt: Die Psychologie hinter dem Kauf
Commerce

Warum Live-Shopping fesselt: Die Psychologie hinter dem Kauf

20. August 2026
Lesen →
Vertrauen als Geschäftsmodell: Was Sammler-Communities über Handel lehren
Commerce

Vertrauen als Geschäftsmodell: Was Sammler-Communities über Handel lehren

19. August 2026
Lesen →
Live-Commerce in Deutschland: Warum der Markt 2026 kippt
Commerce

Live-Commerce in Deutschland: Warum der Markt 2026 kippt

18. August 2026
Lesen →
Der Live-Commerce-Markt in Zahlen: Warum wir mit Slabhit genau jetzt bauen
Commerce

Der Live-Commerce-Markt in Zahlen: Warum wir mit Slabhit genau jetzt bauen

17. August 2026
Lesen →

Alle Beiträge im Blog →