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PPA für den Mittelstand: Wie ein Stromliefervertrag direkt vom Solarpark funktioniert

PPA für den Mittelstand: Wie ein Stromliefervertrag direkt vom Solarpark funktioniert

Ein Power Purchase Agreement, kurz PPA, ist ein langfristiger Stromliefervertrag direkt mit einem Wind- oder Solarpark. Für einen Mittelständler ist es vor allem eine Preisversicherung: Ein Teil des Strombedarfs kostet zehn Jahre lang einen festen Preis. Die Ersparnis gegenüber dem Versorger ist dagegen oft kleiner, als Anbieter versprechen, weil der Reststrom teurer wird und Überschüsse unter Wert verkauft werden. Das Rechenbeispiel unten zeigt, wo die Gewinnschwelle wirklich liegt.

Stand: 11. September 2026.

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Was ein PPA ist: der Stromliefervertrag zwischen Erzeuger und Unternehmen

Bei einem PPA kauft ein Unternehmen Strom nicht über einen Tarif beim Versorger, sondern vertraglich direkt aus einer bestimmten Anlage. Laufzeiten von fünf bis fünfzehn Jahren sind üblich. Der Betreiber bekommt dafür, was eine Bank für die Finanzierung eines Parks sehen will: einen festen Abnehmer und einen planbaren Erlös. Das Unternehmen bekommt einen festen Preis und einen Nachweis, woher der Strom stammt.

Seit Wind- und Solarparks auch ohne staatliche Förderung gebaut werden, ist das PPA vom Produkt für Konzerne zum Thema für den Mittelstand geworden. Wer sich mit Speichern beschäftigt, kennt die Logik aus dem Überblick zu Batteriespeichern: Erlöse, die nicht mehr aus einem Fördertopf kommen, müssen vertraglich gesichert werden.

PPA-Arten im Vergleich: On-site, Off-site und virtuelles PPA

ArtWie der Strom fließtFür wen
On-site-PPAAnlage auf dem eigenen Dach oder Gelände, betrieben von einem Dritten, der Strom fließt ohne öffentliches NetzBetriebe mit großen Dach- oder Freiflächen
Off-site-PPA, physischAnlage steht woanders, Lieferung über das öffentliche Netz, ein Energieversorger übernimmt als Dienstleister Bilanzierung und Reststrom (sleeved PPA)Unternehmen mit hohem, gleichmäßigem Verbrauch
Virtuelles oder finanzielles PPAKein Stromfluss, nur ein Preisausgleich: Liegt der Börsenpreis unter dem PPA-Preis, zahlt das Unternehmen die Differenz, liegt er darüber, zahlt der ErzeugerUnternehmen mit mehreren Standorten, die ihren Versorger behalten wollen

Beim On-site-PPA entfallen Netzentgelte und viele netzbezogene Abgaben, weil der Strom das öffentliche Netz nicht berührt. Beim Off-site-PPA fallen sie weiter an, der Festpreis gilt dort nur für den Energieanteil der Rechnung.

Pay-as-produced oder Baseload: das Profilrisiko im PPA

Die wichtigste Vertragsfrage ist nicht der Preis, sondern das Profil. Bei einem Pay-as-produced-PPA nimmt das Unternehmen die Erzeugung ab, wie sie anfällt: bei einem Solarpark viel Strom mittags im Sommer, nichts in der Nacht. Die Lücken muss ein Versorger füllen, Überschüsse müssen verkauft werden, im Zweifel zu Börsenpreisen, die in sonnigen Mittagsstunden regelmäßig bei null oder darunter liegen. Bei einem Baseload-PPA liefert der Erzeuger oder ein Händler ein gleichmäßiges Band. Das ist bequemer und entsprechend teurer, weil jemand für die Strukturierung bezahlt werden will.

Negative Preise sind dabei kein Randthema mehr. Nach den Jahresdaten der Bundesnetzagentur war der Großhandelspreis 2025 in 573 von 8.760 Stunden negativ, 2023 in 301 Stunden. Seit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 erhalten neue geförderte Anlagen in Stunden mit negativen Preisen keine Förderung (§ 51 EEG). Das macht ungeförderte Anlagen mit PPA für Betreiber attraktiver, und es heißt für Abnehmer: Eine Klausel für negative Preise gehört in jeden Vertrag. Die Stundenpreise lassen sich bei der Bundesnetzagentur auf SMARD nachsehen.

Balkendiagramm: Stunden mit negativem Day-Ahead-Großhandelspreis in Deutschland, 139 im Jahr 2021, 69 im Jahr 2022, 301 im Jahr 2023, 457 im Jahr 2024 und 573 im Jahr 2025
Die Zahl der Stunden mit negativen Großhandelspreisen hat sich seit 2022 mehr als verachtfacht. Quelle: Bundesnetzagentur, Daten zum Strommarkt.

Rechenbeispiel: Was ein Solar-PPA einem Mittelständler spart

Ein Betrieb verbraucht 2.000 Megawattstunden Strom im Jahr. Er schließt ein Pay-as-produced-PPA über 600 Megawattstunden Solarstrom für zehn Jahre. Alle Preise sind Annahmen für die Energiekomponente, ohne Netzentgelte, Umlagen und Steuern, die in beiden Fällen gleich anfallen. Sie zeigen die Mechanik, sie sind keine Marktpreise.

PostenOhne PPAMit PPA
Strom vom Versorger2.000 MWh × 95 € = 190.000 €1.520 MWh × 100 € = 152.000 €
Strom aus dem PPAentfällt600 MWh × 60 € = 36.000 €
Verkauf der Überschüsseentfällt120 MWh × 25 € = minus 3.000 €
Energiekosten pro Jahr190.000 €185.000 €

Annahmen: Versorgerpreis 95 Euro je Megawattstunde, PPA-Preis 60 Euro. 480 der 600 Megawattstunden fallen zeitgleich mit dem Verbrauch an, 120 Megawattstunden Überschuss erlösen im Schnitt 25 Euro. Der Reststrom kostet 5 Euro mehr je Megawattstunde, weil der Versorger ein löchriges Profil beliefern muss.

Die Ersparnis beträgt 5.000 Euro oder 2,6 Prozent. Das ist die ehrliche Zahl, und sie ist klein. Der eigentliche Wert liegt woanders: 30 Prozent des Bedarfs haben zehn Jahre lang einen festen Preis. Steigt der Versorgerpreis auf 130 Euro, ein Niveau, das der Großhandel 2022 deutlich überschritten hat, spart derselbe Vertrag bei unverändertem Überschusserlös 21.800 Euro im Jahr.

Die Gewinnschwelle liegt in diesem Beispiel nicht beim PPA-Preis von 60 Euro, sondern bei einem Versorgerpreis von rund 85 Euro je Megawattstunde. Darunter zahlt der Betrieb drauf. Der Grund sind die 120 Megawattstunden, die unter Wert verkauft werden, und der Aufschlag auf den Reststrom. Ein PPA ist eine Wette auf Planbarkeit, nicht auf billigen Strom.

Herkunftsnachweise: Wie ein PPA erneuerbaren Strom belegt

Wer seine Stromeinkäufe gegenüber Kunden, Banken oder in einem Nachhaltigkeitsbericht als erneuerbar ausweisen will, braucht Herkunftsnachweise. Sie werden in Deutschland vom Umweltbundesamt im Herkunftsnachweisregister ausgestellt, und zwar nur für Strom, der keine Förderung nach dem EEG erhält (§ 79 EEG, Doppelvermarktungsverbot in § 80 EEG). Ein PPA mit einer ungeförderten Anlage liefert beides aus einer Hand, den Strom und den Nachweis. Wie grüner und grauer Strom in einem Speicher zusammenkommen, steht in Graustrom, Grünstrom, Mischspeicher.

Für wen sich ein PPA lohnt: fünf Prüffragen vor dem Vertrag

  • Verbrauch: Ist der Bedarf groß und über Jahre stabil? Wer in fünf Jahren den Standort wechselt, sollte keinen Zehnjahresvertrag unterschreiben.
  • Lastprofil: Wie viel Verbrauch fällt tagsüber an? Ein Betrieb mit Tagschicht nutzt Solarstrom besser als eine Kühlhalle, die vor allem nachts läuft.
  • Bonität: Der Erzeuger finanziert seinen Park mit dem Vertrag. Er wird Sicherheiten verlangen, etwa eine Bankbürgschaft.
  • Klauseln: Negative Preise, Mindermengen, Gesetzesänderungen und Kündigungsrechte müssen geregelt sein, bevor über den Preis verhandelt wird.
  • Alternative: Rechnet sich eine eigene Anlage mit Speicher besser? Bei ausreichend Dachfläche ist die Eigenversorgung oft der einfachere Weg. Wie flexibler Verbrauch Kosten senkt, steht in Dynamischer Stromtarif 2026.

Häufige Fragen

Was ist ein PPA im Strommarkt?

Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromliefervertrag direkt zwischen einem Erzeuger, meist einem Wind- oder Solarpark, und einem Abnehmer. Üblich sind Laufzeiten von fünf bis fünfzehn Jahren zu einem festen oder festgelegten Preis.

Lohnt sich ein PPA für kleinere Unternehmen?

Ein Off-site-PPA lohnt sich meist erst bei hohem, stabilem Verbrauch, weil Vertrag, Bonitätsprüfung und Strukturierung Aufwand kosten. Kleinere Betriebe prüfen eher ein On-site-Modell oder die eigene Anlage mit Speicher.

Was ist der Unterschied zwischen physischem und virtuellem PPA?

Beim physischen PPA wird Strom geliefert, direkt oder über das öffentliche Netz. Beim virtuellen PPA fließt kein Strom, die Parteien gleichen nur die Differenz zwischen PPA-Preis und Börsenpreis aus.

Was passiert bei negativen Strompreisen in einem PPA?

Das regelt der Vertrag. Ohne Klausel muss der Abnehmer bei einem Pay-as-produced-PPA den Strom auch dann abnehmen und bezahlen, wenn er an der Börse nichts wert ist. Übliche Klauseln erlauben, die Anlage in solchen Stunden abzuregeln.

Bekomme ich mit einem PPA Herkunftsnachweise?

Ja, wenn die Anlage keine EEG-Förderung erhält. Die Nachweise stellt das Umweltbundesamt im Herkunftsnachweisregister aus. Für geförderten Strom gibt es keine Herkunftsnachweise.

Hinweis: Die Preise im Rechenbeispiel sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Marktdaten und keine Rechts- oder Energieberatung. PPA-Verträge sind individuell, vor der Unterschrift gehören sie zu einem spezialisierten Anwalt. Nächste Prüfung dieses Artikels: März 2027.

Herzlich,
Euer Dennis Weidner

Aus unserem Ökosystem: Weidner & Friends. Unser Team in Berlin-Mitte unterstützt Unternehmen bei Strategie, Wachstum und Umsetzung. Zur Website →

Hinweis: Beim Schreiben dieses Beitrags haben mich KI-Werkzeuge unterstützt, einzelne Bilder sind mit KI bearbeitet. Für Inhalt und Aussagen stehe ich mit meinem Namen.

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